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Geschäftsmodell

Hauptberuflich selbstständig und Teilzeit angestellt
Was ist zu beachten?

21.03.2024

In der heutigen Arbeitswelt suchen immer mehr Menschen nach flexiblen Möglichkeiten, ihre Karriere zu gestalten. Die Kombination aus Selbstständigkeit und Festanstellung bietet eine attraktive Option, um unternehmerische Freiheit mit beruflicher Sicherheit zu verbinden.  

In diesem Ratgeber zeigen wir dir, wie du dein Unternehmen mit einer Festanstellung verbinden kannst, welche Auswirkungen ein Teilzeitjob auf deine Krankenversicherung haben kann und wie du trotz Doppelbelastung eine gute Work-Life-Balance bewahrst. 

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Kann man selbstständig sein und gleichzeitig angestellt?

Selbstverständlich ist es möglich, gleichzeitig selbstständig tätig zu sein und eine Anstellung zu haben. Diese Arbeitsweise erlaubt es dir, die Vorteile beider Arbeitswelten zu kombinieren: die Sicherheit eines festen Einkommens und die Flexibilität und Freiheit, die die Selbstständigkeit mit sich bringt.  

Wichtig ist dabei, die Auswirkungen auf deine Sozialversicherung im Blick zu behalten – eine etwas komplizierte Angelegenheit, wie wir weiter unten noch sehen werden. Außerdem solltest du realistisch an die Sache herangehen und dir nicht zu viel vornehmen. Die Balance zwischen Selbstständigkeit und Angestelltendasein zu finden, erfordert eine gute Organisation und manchmal auch Kompromisse, doch sie kann dir auch spannende Erfahrungen ermöglichen und deine finanzielle Situation stabilisieren. 

 

Hörtipp:

In Episode 62 unseres KriseChance-Podcasts beleuchten Marco Habschick und Experte Klaas Haken, ob die Verbindung von Selbstständigkeit mit einer Teilzeittätigkeit wirklich die Lösung für finanzielle Sicherheit und Flexibilität ist. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt: Die Details bei Krankenkassen und Steuern sind entscheidend.

Hör rein - gemeinsam bewältigen wir jede Krise!

Immer mehr Selbstständige suchen sich einen Job

Gerade in wirtschaftlich unruhigen Zeiten suchen sich immer mehr Selbstständige einen Teilzeitjob, um ihr Einkommen aufzubessern, um finanzielle Sicherheit und Stabilität zu gewinnen oder um sich ein zweites Standbein aufzubauen. Damit beweisen sie eine pragmatische Haltung und Anpassungsfähigkeit.  

Die Entscheidung, zusätzlich zur Selbstständigkeit in Teilzeit zu arbeiten, wird oft getroffen, wenn das eigene Unternehmen bereits kriselt und nicht mehr genug Geld einbringt. Aber auch andere Motive können eine Rolle spielen, etwa der Wunsch, neue Fähigkeiten zu erlernen und unterschiedliche Arbeitsumgebungen zu erleben, was wiederum der hauptberuflichen Selbstständigkeit zugutekommen kann. Ein Teilzeitjob bietet zudem die Gelegenheit, das eigene berufliche Netzwerk zu erweitern und potenzielle neue Märkte oder Kundenkreise zu erschließen oder wertvolle Einblicke in Branchentrends, Kundenbedürfnisse und effektive Geschäftsstrategien zu gewinnen, die in die eigene selbstständige Tätigkeit einfließen können.  

Viele Selbstständige wissen auch die psychologische Entlastung zu schätzen, die ein regelmäßiges Einkommen mit sich bringt. Es kann den Druck erheblich verringern, der mit der Unsicherheit der Selbstständigkeit verbunden ist, und Unternehmer*innen die Freiheit geben, kreativer und risikobereiter an die Entwicklung ihres eigenen Geschäfts heranzugehen. Da sie sich nicht ausschließlich auf das Einkommen aus der Selbstständigkeit verlassen müssen, können sie fundiertere Entscheidungen treffen, die weniger von finanziellen Zwängen getrieben sind. 

Hauptberufliche Selbstständigkeit – was bedeutet das?

Hauptberuflich selbstständig bist du, wenn deine unternehmerische Tätigkeit den Mittelpunkt deines Erwerbslebens bildet. Du bist dann von der Sozialversicherungspflicht ausgenommen. Das bedeutet, dass du nicht verpflichtet bist, Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung zu sein. Du kannst frei entscheiden, ob du eine private Krankenversicherung abschließen oder dich freiwillig gesetzlich krankenversichern möchtest.  

Wenn du – wie viele Selbstständige – bereits eine private Krankenversicherung hast, ändert sich durch die Aufnahme eines Teilzeitjobs neben deiner hauptberuflichen Selbstständigkeit nichts an deinem Versichertenstatus. In der Regel zahlst du dann keine Krankenkassenbeiträge auf dein Einkommen aus der nebenberuflichen Festanstellung.  

Anders verhält es sich mit den anderen Sozialversicherungen (Rentenversicherung, ggf. Arbeitslosenversicherung). Hierfür können Beiträge aus deinem Teilzeitjob fällig werden. Dafür hast du aber später auch etwas davon, denn du erwirbst im Gegenzug Ansprüche auf Rentenleistungen oder auf Arbeitslosengeld. 

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Hauptberuflich selbstständig und Teilzeit angestellt – die Vorteile

Die Kombination „hauptberuflich selbstständig plus Teilzeit angestellt“ bringt viele Vorteile, von denen wir dir die wichtigsten aufzeigen möchten: 

  • Sicherheit und Flexibilität 
    Die Teilzeitanstellung bietet dir ein regelmäßiges Einkommen und soziale Sicherheit, während die Selbstständigkeit dir die Möglichkeit eröffnet, eigene Projekte zu realisieren und potenziell höhere Einkünfte zu generieren. 
  • Erweiterung des beruflichen Netzwerks 
    Durch die Kombination beider Tätigkeiten erweitert sich dein berufliches Netzwerk. Kontakte aus der Angestelltentätigkeit können auch für die Selbstständigkeit nützlich sein und umgekehrt. 
  • Diversifizierung des Einkommens 
    Mehrere Einkommensquellen zu haben, bedeutet auch eine geringere finanzielle Unsicherheit. Schwankungen im Einkommen aus der Selbstständigkeit können durch das feste Gehalt aus der Teilzeitanstellung abgefedert werden. 

Es gibt aber auch Herausforderungen, die du im Blick behalten solltest, wenn du dich für diesen Weg entscheidest: 

  • Zeitmanagement 
    Eine der größten Herausforderungen ist das effektive Zeitmanagement. Die Aufteilung zwischen Selbstständigkeit und Angestelltensein erfordert Disziplin und eine gute Organisation. 
  • Krankenversicherung 
    Für die Krankenversicherung ist die Frage entscheidend, worin dein Hauptberuf liegt: Ist es die Selbstständigkeit oder die Festanstellung? Davon hängt unter anderem ab, ob du in eine private Krankenkasse wechseln kannst oder nicht. 
  • Steuern 
    Die Kombination aus Selbstständigkeit mit Teilzeit-Anstellung kann sich auf deine Steuern auswirken. Du bist verpflichtet, dein gesamtes Einkommen bei der Steuer anzugeben. Es kann sinnvoll sein, dich beraten zu lassen. Auf jeden Fall solltest du genug Geld fürs Finanzamt zurücklegen.  
  • Arbeitsrechtliche Aspekte 
    Arbeitsrechtlich ist zu klären, ob die Teilzeitanstellung mit der selbstständigen Tätigkeit vereinbar ist. Wichtig ist, vertragliche Regelungen zu beachten und mögliche Konflikte, beispielsweise durch Wettbewerbsklauseln, zu vermeiden. 

Wer entscheidet über die Einstufung als haupt- oder nebenberuflich selbstständig?

In Deutschland gibt es keine gesetzlich definierten Kriterien, die festlegen, ob eine Selbstständigkeit als hauptberuflich oder nebenberuflich gilt. Fest steht nur, dass diese Entscheidung nicht bei dir liegt, sondern von den Krankenkassen getroffen wird.  

Folgende Aspekte spielen dabei eine Rolle:   

  • Arbeitszeit und Priorität: Deine selbstständige Tätigkeit sollte zeitlich hinter deiner Hauptbeschäftigung stehen. Das bedeutet, dass du in der Regel weniger als 20 Stunden pro Woche für deine nebenberufliche Selbstständigkeit aufwendest, um nicht in den Status der Hauptberuflichkeit zu rutschen. 
  • Einkommen: Das Einkommen aus deiner Selbstständigkeit sollte geringer sein als das aus deiner Anstellung. 

Einfach gesagt giltst du als hauptberuflich selbstständig, wenn du mehr Zeit in dein Unternehmen investierst als in deinen Teilzeitjob und wenn du damit den größeren Teil deines Einkommens generierst. 

Im Detail wirst du von der Krankenkasse als hauptberuflich selbstständig eingestuft, wenn du mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllst: 

  • Du widmest über 30 Wochenstunden deiner selbstständigen Tätigkeit und erzielst damit mindestens 50 Prozent deines Einkommens. oder 
  • Du bist mehr als 20 pro Woche selbstständig tätig und verdienst mit deiner Selbstständigkeit mehr als 1767 EUR (das ist die Hälfte der monatlichen Bezugsgröße der Sozialversicherung, Stand 2024). oder 
  • Du arbeitest bis zu 20 Stunden pro Woche selbstständig und dein Einkommen aus dieser Tätigkeit umfasst mehr als 2650 EUR (das entspricht 75 Prozent der monatlichen Bezugsgröße). oder 
  • Du beschäftigst regelmäßig mindestens eine Person, die über der Minijobgrenze von 538 EUR verdient, oder mehrere Minijobber, die zusammen über 538 EUR verdienen. 

Hauptberuflich selbstständig bedeutet, dass du nicht versicherungspflichtig bist, du dir also eine private Krankenversicherung suchen oder dich freiwillig gesetzlich versichern kannst. Du zahlst dann von deinem nebenberuflichen Einkommen keine Beiträge an die gesetzliche Krankenversicherung. Alle übrigen Sozialabgaben werden aber in der Regel fällig.  

Umgekehrt gilt: Wenn du keines dieser Kriterien erfüllst, giltst du als nebenberuflich selbstständig. Du bist dann über deine Festanstellung sozialversichert und zahlst automatisch einen bestimmten Anteil deines Einkommens an die Krankenkasse, die Renten- und Pflegeversicherung und die Arbeitsagentur. Achtung: Der Wechsel von der privaten in die gesetzliche Krankenkasse ist nur möglich, wenn du noch nicht 55 Jahre alt bist. Außerdem darf dein Jahresgehalt den Grenzwert von 69.300 EUR brutto nicht überschreiten. 

Früher neigten die Krankenversicherungen dazu, die nichtselbstständige Arbeit als Hauptberuf anzusehen. Jedoch haben sich die Bewertungsgrundlagen zur Bestimmung der Hauptberuflichkeit inzwischen geändert. Das ist gut für alle Selbstständigen, die Wert auf die Befreiung von der Sozialversicherungspflicht legen. 

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Tipps: So gelingt die Kombination aus hauptberuflicher Selbstständigkeit und Teilzeitanstellung

Wenn du hauptberuflich selbstständig bist und dir eine Teilzeitanstellung suchen möchtest, gibt es einige wichtige Überlegungen, die du im Vorfeld anstellen solltest.  

Prioritäten setzen  
Entscheide, welcher Bereich dein Hauptfokus sein soll: Dein eigenes Unternehmen oder dein Job. Diese Entscheidung hängt von deinen persönlichen und beruflichen Zielen ab. Siehst du dich vorrangig als Unternehmer*in und nutzt den Teilzeitjob, um nebenbei neue Erfahrungen zu sammeln oder kurzfristig deine finanzielle Situation aufzubessern? Oder ist deine Festanstellung mindestens gleichwertig und auf Dauer angelegt und du kannst dir vorstellen, dein Unternehmen zukünftig auf kleiner Flamme weiterlaufen zu lassen? 

Deine Priorität beeinflusst, wie du deine Zeit und Ressourcen aufteilst. Mach dir bewusst, dass du unmöglich 200 Prozent Einsatz zeigen kannst, zumindest nicht auf Dauer. Wenn du diesen Punkt nicht für dich klärst, läufst du Gefahr, dich zu überlasten und letztlich weder deinem eigenen Unternehmen noch deinem Arbeitgeber gerecht zu werden. 

Zeitrahmen planen 
Überlege, wie lange du das Modell aus Selbstständigkeit plus Teilzeitjob umsetzen möchtest. Ist es eine vorübergehende Lösung, um zum Beispiel finanzielle Unsicherheiten abzufedern, oder planst du, diese Kombination auf unbegrenzte Zeit? Setze dir klare Ziele und Fristen, um deine Entscheidungen regelmäßig zu überprüfen und anzupassen. 

Finanzielle Abwägung 
Rechne genau durch, welche Option für dich finanziell am sinnvollsten ist. Berücksichtige dabei Einkünfte, Steuervorteile sowie Kosten für Krankenversicherung und andere Sozialabgaben. Vergleiche, wie sich die hauptberufliche Selbstständigkeit im Vergleich zur nebenberuflichen Selbstständigkeit auf deine finanzielle Situation auswirkt. Denke auch in die Zukunft, also an deine Altersvorsorge. 

Work-Life-Balance 
Prüfe, ob dieses Arbeitsmodell mit deinem Privatleben vereinbar ist. Die Kombination aus Selbstständigkeit und Teilzeitanstellung kann herausfordernd sein und setzt gutes Zeitmanagement voraus. Stelle sicher, dass dir genug Zeit für Erholung und persönliche Interessen bleibt. 

Vertragliche Vereinbarungen 
Überprüfe alle vertraglichen Vereinbarungen sowohl in deiner selbstständigen Tätigkeit als auch in deiner Teilzeitanstellung. Achte auf mögliche Konflikte oder Einschränkungen, wie zum Beispiel Wettbewerbsverbote. Informiere deinen Arbeitgeber und deine Kund*innen über deine Doppelrolle. 

Flexibilität bewahren 
Sei offen für Anpassungen deines Arbeitsmodells. Marktveränderungen, persönliche Umstände oder neue berufliche Chancen können es erforderlich machen, deine Prioritäten neu zu bewerten. 

Den passenden Job finden

Die Suche nach einem Teilzeit-Job, der zu deiner hauptberuflichen Selbstständigkeit passt, wird voraussichtlich einige Zeit beanspruchen. Wenn du dich zu diesem Schritt entschieden hast, weil dein Business gerade nicht so gut läuft, ist es zunächst wichtig, dass du dich von dem Gedanken des Scheiterns befreist. Mach dir bewusst, dass wirtschaftliche Schwankungen Teil des unternehmerischen Risikos sind und nicht notwendigerweise ein Zeichen für persönliches Versagen. Es ist wichtig, die Situation anzunehmen, wie sie ist, und Verantwortung zu übernehmen, ohne sich jedoch von Schuldgefühlen lähmen zu lassen. 

Eine Teilzeitstelle anzunehmen, ist ein Zeichen von Stärke und Anpassungsfähigkeit. Es zeigt, dass du bereit bist, aktiv Lösungen zu suchen und deine finanzielle Sicherheit zu erhöhen, während du gleichzeitig an der Wiederbelebung oder Neuausrichtung deines Unternehmens arbeitest. Erinnere dich an deine Fähigkeiten, an deine Erfolge und an das, was dich ursprünglich dazu bewegt hat, den Schritt in die Selbstständigkeit zu gehen. 

Werde dir dann über deine Ziele und den gewünschten Zeitumfang deiner Teilzeitbeschäftigung klar. Dein Anspruch sollte es sein, eine Position zu finden, die nicht nur finanzielle Stabilität bietet, sondern auch genügend Flexibilität, um deine selbstständige Tätigkeit weiterhin erfolgreich ausüben zu können. 

Beginne mit einer gründlichen Recherche in Branchen und bei Unternehmen, die zu deinem Fachgebiet passen oder die von deiner Selbstständigkeit profitieren könnten. Networking spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Nutze berufliche Netzwerke, Branchenveranstaltungen und Kontakte aus deiner Selbstständigkeit, um potenzielle Arbeitgeber zu identifizieren. Eine persönliche Empfehlung kann Türen öffnen, die über traditionelle Bewerbungswege verschlossen bleiben. 

Beim Bewerbungsprozess ist es von Vorteil, offen über deine selbstständige Tätigkeit zu sprechen und darzulegen, welchen Mehrwert du deinem Arbeitgeber aufgrund deiner unternehmerischen Erfahrungen bieten kannst. Zeige auf, welche einzigartigen Kompetenzen du dadurch erworben hast, von Zeitmanagement über Eigeninitiative bis zu spezifischen Fachkenntnissen. 

Sei mutig und handele Arbeitsbedingungen aus, die deinen Bedürfnissen entsprechen. Dazu gehören flexible Arbeitszeiten oder die Möglichkeit, teilweise im Homeoffice zu arbeiten. Solche Vereinbarungen helfen dir, beide Berufsfelder effektiv zu managen, ohne dass eines zu kurz kommt. 

Schließlich solltest du darauf achten, dass der Teilzeitjob und deine selbstständige Tätigkeit sich ergänzen und nicht in Konflikt miteinander stehen. Vermeide Tätigkeiten, die ein direktes Konkurrenzverhältnis zu deinem eigenen Unternehmen darstellen könnten, damit es keine Interessenkonflikte gibt. Stattdessen solltest du nach Teilzeitjobs suchen, die deine Fähigkeiten erweitern, neue Perspektiven bieten und vielleicht sogar Synergien mit deiner Selbstständigkeit schaffen. 

Das Geschäftsmodell anpassen

Bevor du zusätzlich zu deiner selbstständigen Tätigkeit eine Teilzeitstelle annimmst, solltest du außerdem gründlich überlegen, was das für dein Unternehmen bedeutet. Wie viel Zeit wirst du in deine Selbstständigkeit investieren können? Was könntest du ändern, um idealerweise mit weniger Zeitaufwand mehr zu erreichen? Und welche Schritte sind nötig, um dein Unternehmen – falls es in eine Krise geraten ist – aus dieser hinauszuführen?  

Denk daran, dass nicht jedes Geschäftsmodell gleichermaßen mit einem Nebenberuf vereinbar ist. Ein klassisches Einzelhandelsgeschäft beispielsweise, das feste Öffnungszeiten erfordert, stößt hier schnell an seine Grenzen. Die Notwendigkeit, zu bestimmten Zeiten persönlich anwesend zu sein, kann mit den Anforderungen eines Zweitjobs kollidieren. 

Digitale Geschäftsmodelle eignen sich hingegen besonders gut für hybride Arbeitsmodelle, weil sie in der Regel eine größere Flexibilität in Bezug auf Arbeitszeit und -ort bieten. Ein Onlineshop kann rund um die Uhr geöffnet haben, ohne dass du persönlich anwesend sein musst. Aber auch viele freiberufliche und beratende Tätigkeiten lassen sich mit einem Teilzeitjob kombinieren, weil du sie zeitlich und örtlich nach deinen Vorstellungen gestalten kannst.  

Prüfe dein bestehendes Geschäftsmodell und passe es an deine neuen Bedürfnisse an. Grundsätzlich ist alles wandelbar, und nichts ist in Stein gemeißelt! Bei der Firmenhilfe findest du verschiedene hilfreiche Ressourcen, zum Beispiel den Schnell-Check: Mein Business besser machen. Falls du in Hamburg lebst oder arbeitest, können dich darüber hinaus unsere Firmenhilfe-Berater*innen mit ihren Ideen und ihrer Erfahrung unterstützen. Vereinbare doch gleich einen Termin für eine Beratung (telefonisch oder per Videocall).  

Eine weitere Voraussetzung für eine erfolgreiche hauptberufliche Selbstständigkeit plus Teilzeitjob ist, dass beide Tätigkeiten nicht miteinander kollidieren. Am besten, du legst schon im Vorstellungsgespräch die Karten auf den Tisch und erzählst von deiner Selbstständigkeit. So vermeidest du spätere Konflikte und kannst deine Verhandlungsposition unter Umständen sogar stärken.

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Oder doch lieber eine nebenberufliche Selbstständigkeit neben einem Hauptjob?

Es gibt auch Unternehmer*innen, die ihre Selbstständigkeit so weit zurückfahren, dass sie nur noch nebenberuflich ausgeübt wird, während eine feste Stelle den Mittelpunkt ihrer Erwerbstätigkeit bildet. Das ist häufig der Fall, wenn die Geschäfte ohnehin nicht mehr so gut laufen und nicht mehr so viel Zeit in Anspruch nehmen und es gleichzeitig besonders dringend an Geld fehlt. 

Als nebenberuflich Selbstständige*r mit Festanstellung bist du in der Regel über die gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung abgesichert. Von deinem Gehalt gehen die Beiträge zur Sozialversicherung automatisch ab. Im Gegenzug bist du abgesichert für den Fall, dass du krank, pflegebedürftig oder arbeitslos wirst oder in Rente gehst. Du brauchst dich also um deine soziale Absicherung im Prinzip nicht weiter zu kümmern. Deine Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit werden für die Sozialversicherung üblicherweise nicht herangezogen (das heißt, es liegt in deiner Verantwortung, ob und wie du dich zusätzlich absichern möchtest). 

Zur Erinnerung: Es ist nicht deine Entscheidung, welche Tätigkeit als dein Hauptberuf angesehen wird, die Selbstständigkeit oder die feste Stelle. Um als nebenberuflich selbstständig und angestellt im Hauptberuf eingestuft zu werden, gelten auch wieder die oben genannten Grenzwerte. In jedem Fall entscheidet über die Einstufung deine Krankenkasse. 

Bei der Rente solltest du bedenken: Sofern du nicht selbst vorsorgst, richten sich deine Rentenansprüche später allein nach dem Einkommen aus der Festanstellung. Wenn du deinen heutigen Lebensstandard im Alter aufrechterhalten möchtest, solltest du daher prüfen, ob du zusätzlich zur gesetzlichen Rente für deine Altersvorsorge sparen kannst. 

Hauptberuflich selbstständig plus Teilzeit angestellt: Schritt für Schritt die Selbstständigkeit mit einem Job verbinden

Die Kombination aus einer hauptberuflichen Selbstständigkeit mit einem Teilzeitjob bietet viele Chancen, birgt aber auch Herausforderungen. Mit der richtigen Herangehensweise kannst du jedoch beide Welten erfolgreich miteinander verbinden.  

Hier sind einige Tipps, wie du deine nebenberufliche Selbstständigkeit geschickt mit einer Anstellung kombinieren kannst: 

  • Den passenden Job finden: Suche dir einen Job, der sich gut mit deiner hauptberuflichen Selbstständigkeit vereinbaren lässt. Achte darauf, dass du dir nicht zu viel vornimmst. Flexible Arbeitszeiten und Homeoffice reduzieren die Belastung. 
  • Arbeitszeiten festlegen: Definiere klare Arbeitszeiten für deine Selbstständigkeit, die nicht mit deiner Teilzeit-Anstellung kollidieren. Dies hilft, Überarbeitung zu vermeiden, und sorgt für eine bessere Balance zwischen Beruf, Selbstständigkeit und Privatleben. 
  • Arbeitgeber informieren: Informiere deinen neuen Arbeitgeber über die hauptberufliche Selbstständigkeit. Offenheit kann Konflikte vermeiden und zeigt, dass du die Anstellung ernst nimmst. 
  • Effizientes Zeitmanagement: Nutze Tools und Techniken für das Zeitmanagement, um deine Aufgaben zu priorisieren und effizient zu erledigen. Dies ist entscheidend, um in beiden Bereichen produktiv zu sein. 
  • Realistische Ziele setzen: Sei realistisch, was du in der zur Verfügung stehenden Zeit erreichen kannst. Setze klare, erreichbare Ziele für deine Selbstständigkeit, um Frustration zu vermeiden. 
  • Geschäftsmodell anpassen: „Business as usual“ ist womöglich nicht mehr angesagt, wenn du eine Teilzeitstelle annimmst. Prüfe, wie du dein Geschäftsmodell an dein neues „Doppelleben“ anpassen kannst.  
  • Finanzplanung: Plane deine Finanzen sorgfältig, um sicherzustellen, dass deine Selbstständigkeit finanziell tragfähig bleibt (oder: wieder tragfähig wird). Berücksichtige dabei sowohl laufende Kosten als auch Rücklagen für Steuern und ggf. für die Altersvorsorge. 
  • Buchführung: Halte deine geschäftlichen und privaten Finanzen getrennt und führe sorgfältig Buch über alle Einnahmen und Ausgaben. Dies vereinfacht die Steuererklärung und hilft dir, den Überblick zu behalten.   
  • Netzwerk nutzen: Nutze dein berufliches Netzwerk, um deine Selbstständigkeit zu fördern, ohne dabei die Interessen deines Arbeitgebers zu verletzen. Empfehlungen und Kontakte können entscheidend für den Erfolg sein. 
  • Online-Präsenz: Sorge für eine professionelle Online-Präsenz, inklusive Website und Social Media, um deine Dienstleistungen oder Produkte zu bewerben. Digitales Marketing ist oft kosteneffizient und weitreichend. 
  • Selbstfürsorge nicht vernachlässigen: Achte darauf, genügend Zeit für Erholung und Freizeitaktivitäten einzuplanen. Die Gesundheit und das Wohlbefinden sind essenziell, um langfristig in beiden Bereichen leistungsfähig zu bleiben. 

Für eine bessere Übersicht haben wir die Vor- und Nachteile der beiden Arbeitsmodelle noch einmal in einer Tabelle für dich zusammengefasst: 

Vor- und Nachteile der beiden Arbeitsmodelle

Fazit

Egal, ob du im Hauptberuf dein Unternehmen führst und nebenbei einen Teilzeitjob ausübst, oder ob du vorwiegend angestellt und nebenberuflich selbstständig bist: Die Kombination aus unternehmerischer Freiheit und der Sicherheit des Angestelltenlebens bietet zahlreiche Vorteile: Du reduzierst das wirtschaftliche Risiko, das zur Verfügung stehende Einkommen steigt und dein berufliches Profil wird durch neue Fähigkeiten und Kontakte bereichert.  

Mit der richtigen Planung kannst du auf diese Weise sowohl dem eigenen Unternehmen als auch der persönlichen Entwicklung positive Impulse geben. 

Allerdings setzt eine Kombination aus Unternehmer- und Angestelltendasein ein exzellentes Zeitmanagement voraus und geht immer mit einer gewissen Belastung einher, die du im Auge behalten solltest. Achte auf deine Grenzen und bewahre deine Gesundheit – sie ist dein höchstes Gut.

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