Geschäftsmodell
18.07.2019

Die häufigsten Fehler von Unternehmern und Unternehmerinnen

Wollen Sie an Ihrem Geschäftsmodell arbeiten?

Ein eigenes Unternehmen zu führen ist immer wieder eine Herausforderung. Wir haben die fünf häufigsten Fehler von Unternehmern und Unternehmerinnen gesammelt und geben Tipps, wie Sie diese vermeiden können.

Seit knapp 17 Jahren beraten wir bei der FIRMENHILFE nun Freiberufler und kleine Unternehmen am Telefon. Fast 5000 Selbstständigen haben wir in dieser Zeit schon unterstützend zur Seite gestanden, auch in Krisensituationen. Unsere Themen reichen von Kundenakquise, über Geschäftsmodell-Check, Verhandeln mit dem Finanzamt, Überblick über Finanzen bis hin zur Frage, ob eine Insolvenz notwendig ist oder nicht. In diesen Jahren haben wir viele Stolpersteine für Unternehmer ausmachen können – wir stellen Ihnen hier die fünf häufigsten vor.

1. Augen verschließen vor Krisenanzeichen

„Ich habe schon seit langem eine angespannte Auftragslage und immer gehofft, dass es bald wieder besser wird. Jetzt sind meine Rücklagen komplett aufgebraucht.“

Mit diesen Worten haben sich schon so einige Unternehmer bei uns gemeldet. Sie alle haben eines gemein: Sie handeln aus einer „Alles oder Nichts“-Haltung heraus und verschließen die Augen vor den Anzeichen einer Krise. Wenn es nicht läuft – sei es wegen einer angespannten Auftragslage, wegen konjunktureller Schwankungen oder geringerer Nachfrage nach ihren Produkten oder Dienstleistungen – reagieren sie viel zu spät oder überhaupt nicht.

Viele Unternehmer halten in einer solchen Situation zu lange an ihrer ursprünglichen Geschäftsidee fest. Auf rote Zahlen reagieren sie mit dem „Prinzip Hoffnung“ und zögern zu lange damit, sich Hilfe zu holen. Bei manchen läuft die eigene Selbstständigkeit gut an, dann folgen jedoch problematische Situationen und Stolpersteine, von denen sie überfordert sind – sie reagieren darauf viel zu häufig mit Verdrängung. Oder sie versuchen alles, um mit den Schwierigkeiten selbst zurechtzukommen, bevor sie sich endlich dazu durchringen können, sich Unterstützung zu suchen.

Tipp:

Reagieren Sie so früh wie möglich auf Fehlentwicklungen und Krisenanzeichen. Diese gehören zum Unternehmerdasein dazu und sind kein persönliches Versagen! Wenn solche Probleme auftreten, gilt es, schnell zu reagieren und sich Hilfe zu holen. Andere Unternehmer haben sich bereits vor Ihnen mit den gleichen Problemen herumgeschlagen – profitieren Sie von deren Erfahrungen und holen Sie sich Hilfe bei darauf spezialisierten Beratungsangeboten. Wenn Sie aus Hamburg kommen, wenden Sie sich gern an die FIRMENHILFE.

Verdrängung oder das bloße Hoffen auf Besserung führt Sie nicht aus der Krise. Es ist auch kein Beinbruch, wenn Sie von Ihrer ursprünglichen Geschäftsidee abweichen und diese noch einmal überdenken und anpassen. Im Gegenteil: Besonders im schnelllebigen digitalen Zeitalter, in dem sich die Vorlieben und Wünsche der Kunden sowie technische Möglichkeiten rasant ändern, ist es wichtig, die Geschäftsidee immer wieder neu zu justieren.

Um an Ihrer Geschäftsidee zu arbeiten, können Sie unser Geschäftsmodell-Tool nutzen.

2. Mangelnde Steuerung und fehlendes Controlling

„Eine Finanzplanung habe ich bei der Gründung gemacht, im Businessplan. Die liegt jetzt in meiner Schublade.“

Manche unserer Anrufer haben vor Gründung schon einmal eine Liquiditätsplanung gemacht, diese aber nie wieder angeschaut. Andere haben einfach losgelegt. Den meisten ist gemein, dass sie ein „Controlling per Kontoauszug“ machen, frei nach dem Motto „Ist noch Geld da oder nicht?“ Was fehlt, ist ein aktueller Überblick über die eigenen Einnahmen und Ausgaben – betrieblich und privat – und damit über die gesamte finanzielle Situation. Und auch eine Planung nach vorne wird selten gemacht. Dabei würde sie frühzeitig zeigen, ob und bis wann Kosteneinsparungen notwendig sind oder neue Aufträge gewonnen werden müssen. Wenn ihr Kontoauszug zeigt, dass das Geld alle ist, ist es meist schon sehr spät, um mit dem Handeln zu beginnen!

Der Überblick über die Finanzen und deren Planung ist Chefsache und kann nicht an einen Steuerberater abgegeben werden. Denn der ist in erster Linie für Ihre Steuern zuständig und nicht dafür ihr Unternehmen finanziell zu steuern!

Tipp:

Achten Sie auf ein sorgfältiges Controlling. Behalten Sie Ihre Zahlen im Blick – auch wenn es gerade gut laufen sollte. Faktoren, auf denen Ihr Erfolg beruht, können sich nämlich ständig ändern: Lieferanten können ihre Preise erhöhen, Kreditzinsen steigen, Ihre Vermieter die Miete erhöhen oder Forderungen ausfallen, wenn ein Kunde nicht zahlt.

Analysieren Sie regelmäßig eine Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA), die die Ertragslage des Unternehmens und die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen beinhaltet. Planen Sie aber auch in die Zukunft, um zu sehen, wie sich Ihre Finanzen voraussichtlich entwickeln werden. Sie müssen nicht jedes kleine Detail kontrollieren, sollten aber sich anbahnende Liquiditätsengpässe oder finanzielle Schräglagen frühzeitig erkennen.

Hierbei können Ihnen unsere Tools Monatsbudget und Liquiditätsplanung im Downloadbereich.

Behalten Sie auch den Markt im Blick: Ziehen die Preise für ein Produkt an? Geht ein Trend, an dem Sie gut verdient haben, langsam zu Ende? Steigt ein großer Player in den Markt ein, der mit Dumpingpreisen die Kunden in sein Geschäft lockt? Reagieren Sie früh auf Veränderungen am Markt.

3. Keine Kraft mehr für die Akquisition

„Ich hatte im ersten Jahr großen Erfolg mit meinem Unternehmen, war dadurch aber auch sehr beschäftigt und habe die Akquisition neuer Kunden vernachlässigt.“

In guten Zeiten, aber gerade auch in schwierigen Zeiten, werden bei einigen Unternehmern ein unsystematisches Vorgehen bei der Akquisition neuer Kunden und ein nicht vorhandenes Akquisitionscontrolling als Fehlerquelle ersichtlich.

Oft fokussieren sich Unternehmer viel zu lange auf ein und denselben Kunden – und bekommen später Probleme wegen der ausbleibenden Gewinnung von Neukunden. Häufig nehmen auch einige große Aufträge die gesamte Arbeitszeit in Anspruch und die Akquisition neuer Kunden für die Zeit danach wird vernachlässigt. Auch für die Reflexion, welche Akquise und Werbemaßnahmen in der Vergangenheit sinnvoll und erfolgreich waren und welche nicht, fehlt oft die Zeit.

Tipp:

Versäumen Sie es nicht,  sich fortlaufend Arbeitszeit für die Akquisition neuer Kunden zu reservieren – egal, ob Ihr Unternehmen aktuell rote oder schwarze Zahlen schreibt. Lassen Sie nicht durchgehend der Abarbeitung von Aufträgen den Vortritt, sondern denken Sie daran, dass Akquisition für den Fortbestand Ihres Unternehmens mindestens genauso wichtig ist! Auch wenn diese Tätigkeit nicht unmittelbar Geld bring.

Falls Sie selbst absolut kein Verkäufertyp sein sollten, delegieren Sie diese Aufgabe an Mitarbeiter, denen das leichter fällt – oder holen Sie sich Spezialisten mit ins Boot.

Achten Sie zudem auf ein gewissenhaftes Controlling Ihrer Akquisitionstätigkeiten. Unterziehen Sie alle Tätigkeiten einer regelmäßigen Erfolgskontrolle. Wenn einige davon sich als weniger erfolgreich herausstellen sollten, zögern Sie nicht, diese einzustellen. Dann können Sie Ihre kostbare Zeit in effektivere Ansätze stecken.

4. Geschäftsidee zu eng oder zu weit gefasst

„Ich werde immer wieder gefragt, ob ich auch … machen könnte. Aus Angst, Aufträge nicht zu bekommen, mache ich das dann auch noch mit und weiß gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht.“

Die Pole zwischen einer zu eng gefassten Geschäftsidee auf der einen Seite und der Verzettelung durch zu viele Geschäftsfelder auf der anderen sind häufige Krisenursachen für Unternehmer.

Eine zu eng gefasste Geschäftsidee schränkt die Flexibilität des Unternehmens ein und mindert seine Reaktionsfähigkeit. Einige Selbstständige klammern sich zu sehr an ihrer ursprünglichen Geschäftsidee fest und nehmen aus Angst, sich zu verzetteln, Chancen am Markt nicht wahr.

Eine zu weit gefasste Geschäftsidee birgt die Gefahr, sich zu verzetteln und mit einem unscharfen Profil an den Markt zu gehen. Mehr als drei Geschäftsfelder, die schlimmstenfalls auch noch völlig unabhängig voneinander sind, sind als Standbeine eines jungen Unternehmens eindeutig zu viele. Oft investieren Unternehmer auch viel zu viel Geld in neue Geschäftsfelder, ohne zuvor die notwendigen Markttests durchgeführt zu haben.

Tipp:

Arbeiten Sie mit einer Geschäftsidee, die weder zu eng noch zu weit gefasst ist. Konzentrieren Sie sich auf die Stärken Ihres Unternehmens, ohne dabei die Augen vor neuen Chancen zu verschließen. Wenn Sie die Absicht haben, ein neues Geschäftsfeld aufzubauen, durchdenken Sie zunächst alle wichtigen Bereiche. Hierbei kann Ihnen ebenfalls unser Geschäftsmodell-Tool helfen. Führen Sie zusätzlich die notwendigen Markttests durch, um zu überprüfen, ob es wirklich genügend Interessenten für Ihre Idee gibt.

5. Löcher stopfen mit geliehenem Geld

„Ich habe kein Geld mehr. Einen Kredit könnte ich noch bekommen, ich weiß aber nicht, ob das Sinn macht.“

Viele Selbstständige hangeln sich viel zu lange durch Krisen, indem sie sich Geld von Freunden oder Familie leihen. Oder bei uns anrufen und denken, dass ein Bankkredit die schnelle Lösung Ihrer Probleme wäre. Das macht jedoch nur Sinn, wenn man gleichzeitig auch nach den Ursachen für die Liquiditätsengpässe sucht und diese behebt.

Wenn das Geschäft nicht (mehr) lukrativ ist, verlängert man mit geliehenem Geld nur die Zeit des Dahinsiechens und hat nachher mehr Schulden als vorher. Ein Bankkredit kommt realistisch betrachtet in Krisensituation nur selten in Frage, da Selbstständige zu diesem Zeitpunkt schon ein schlechtes Rating haben. Er wäre auch nur eine Lösung, wenn das Unternehmen so weit entwickelt wird, dass es Zins und Tilgung tragen kann und danach noch ausreichend Gewinn abwirft. Das ist häufig nicht der Fall.

Tipp:

Wenn Sie akute Finanzengpässe haben oder Forderungen begleichen müssen, machen Sie sich auf die Suche nach den Ursachen. Stimmt das Geschäftsmodell noch? Wie kann ich mehr Kunden gewinnen? Stimmen meine Preise? Kann ich Kosten senken?

Prüfen Sie auch, ob die Ursache eine einmalige Situation ist oder darin liegt, dass Ihre Selbstständigkeit nicht lukrativ genug ist. Im ersten Fall kann es sinnvoll sein, sich kurzfristig Geld zu leihen. Sie sollten dann aber sicher sein, dass Sie es zukünftig erwirtschaften und zurückzahlen können. Im zweiten Fall sollten Sie erst Ihre Energie darin investieren, die Ursachen für den Finanzengpass zu beseitigen, bevor sie Ihre Situation durch geliehenes Geld noch weiter verschlimmern.

Wenn Sie Chancen auf eine Bankfinanzierung haben, sollten Sie in jedem Fall vorher durchrechnen, ob Sie sich Zins und Tilgung auch leisten können.

Kommen sie aus Hamburg?
Dann berät Sie die FIRMENHILFE kostenlos!

Teile diesen Beitrag

Unser Newsletter für Selbstständige
Know How, Tipps und Termine für Selbstständige

bhp