Finanzen

Steuern für Selbstständige und Freiberufler
Einkommens-, Gewerbe- und Körperschaftsteuer

Inhaltsverzeichnis

04.07.2018

Du hast gerade einen lukrativen Auftrag abgeschlossen und der Rechnungsbetrag hat deinem Geschäftskonto sehr gutgetan? Herzlichen Glückwunsch! Doch werde jetzt beim Geldausgeben nicht zu übermütig, denn meistens gehört ein nicht ganz unbeträchtlicher Anteil dieses Geldes gar nicht dir, sondern in Form von Steuern dem Finanzamt! Wer das missachtet, unterschätzt am Ende seine Steuerlast und riskiert unter Umständen seine unternehmerische Zahlungsfähigkeit!

Einkommensteuer, Gewerbesteuer, Körperschaftsteuer – Was davon betrifft mich?

Die Höhe der Einkommensteuer richtet sich nach deinem Gewinn, also Umsatz abzüglich Betriebskosten. Freiberufler zahlen ausschließlich Einkommensteuer und das auch erst ab einem Jahreseinkommen von 9.168 Euro (2019, ab 2020: 9.408 Euro). Bei Gewerbetreibenden kommt noch die Gewerbesteuer mit einem Freibetrag von 24.500 Euro dazu. Kapitalgesellschaften (z.B. UG, GmbH, AG) zahlen für jeden Euro Gewinn Gewerbesteuer und dazu eine Körperschaftsteuer von 25 Prozent. Freiberufler*innen müssen jährlich eine Einkommensteuererklärung abgeben, Gewerbetreibende zusätzlich eine Gewerbesteuererklärung und Kapitalgesellschaften eine Gewerbe- und Körperschaftsteuererklärung.

Welche Steuerrücklagen muss ich bilden?

Der Fiskus fordert bei Selbstständigen monatliche oder vierteljährliche Vorauszahlungen auf die zu erwartenden Jahressteuern ein. Da die exakten Gewinne oder Verluste erst nach Erstellung des Jahresabschlusses feststehen, wird die Höhe der Vorauszahlungen zunächst nur geschätzt. So ergibt sich bei der Steuererklärung entweder eine Erstattung oder eine Nachzahlung. Für Letzteres solltest du gewappnet sein und entsprechende Beträge dafür gespart haben – als Richtwert gilt: Etwa ein Viertel deines monatlichen Gewinns solltest du zurücklegen. Um zukünftige Steuerzahlungen besser einschätzen zu können, ist ein enges Finanzcontrolling die beste Empfehlung. Hierzu kannst du unsere Buchhaltungstabelle und die zugehörige Arbeitshilfe nutzen, die Sie im Downloadbereich "Finanzen" finden.

Sorge insbesondere vor, wenn dich steigende Gewinne erwarten: In der Gründungsphase fordert das Finanzamt oft keinerlei oder nur geringe Vorauszahlungen. Mit dem ersten Steuerbescheid werden jedoch Einkommens- und eventuell Gewerbesteuer fällig sowie Vorauszahlungen für das laufende und folgende Jahr nach oben angepasst. Du brauchst dann also den doppelten Nachzahlungsbetrag – das schaffst du nur mit einer vorausschauenden Liquiditätsplanung im Vorfeld. Auch hierfür haben wir in unserem Downloadbereich eine Vorlage für dich.

Brauche ich eine*n Steuerberater*in?

Da das deutsche Steuerrecht kompliziert ist, bietet sich für Selbstständige meistens die Unterstützung durch ein Steuer- oder Buchhaltungsbüro an. Kapitalgesellschaften und Gewerbetreibende, deren Jahresumsatz 600.000 Euro oder deren Gewinn 60.000 Euro übersteigt, sind gesetzlich zu Buchführung und Bilanzierung verpflichtet und benötigen in jedem Fall Profis an ihrer Seite. Nicht buchführungspflichtig sind alle Freiberufler*innen und Personengesellschaften (z.B. Einzelunternehmen, GbR), deren Umsatz und Gewinn darunter liegen. Bei ihnen sind die sogenannte „einfache Buchführung“ und die Erstellung einer simplen Einnahme-Überschuss-Rechnung ausreichend. Wenn du eine hohe Affinität zu Zahlen und gute Kenntnisse der Buchführung besitzen, kannst du diese auch selbst übernehmen. Nutze dazu gern unsere Buchhaltungstabelle samt Arbeitshilfe, die du bei unseren Download-Tools findest. Ein Steuerbüro bucht deine Belege monatlich oder quartalsweise ein und erstellt in der Regel auf dieser Basis eine „betriebswirtschaftliche Auswertung“ (BWA). Diese weist deine Umsätze, Kosten und den Gewinn für die jeweilige Periode aus. Ein* gute*r Steuerberater*in führt gegen Jahresende mit seinen/ihren Kund*innen ein persönliches Gespräch. Hier werden Fragen geklärt und Steuertipps zu Themen gegeben wie: Wo stehe ich? Wie viel Steuergeld muss ich einplanen? Gilt mein Auto als Geschäftswagen und damit als Betriebsvermögen? Fordere diesen Beratungstermin unbedingt ein.

Was ist die Umsatzsteuer?

Die Umsatzsteuer ist ein völlig eigenes Thema und wird nicht auf Gewinne erhoben. Sie ist eine Steuer des Staates, die auf die meisten Produkte oder Dienstleitungen anfällt und wird auch Mehrwert- oder Vorsteuer genannt. Selbstständige müssen diesen Steuerbetrag – überwiegend mit 19 Prozent, seltener mit sieben Prozent – auf jeder Rechnung ausweisen und bekommen ihn von ihren Kund*innen gezahlt. Dieses Geld gehört dann aber nicht ihnen, sondern muss an das Finanzamt weitergereicht werden. Das geschieht in Form von monatlichen oder vierteljährlichen Umsatzsteuer-Voranmeldungen.

Der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent gilt beispielsweise für Grundnahrungsmittel, die Übertragung von Urheberrechten für Texte, Musik und Bilder, für Künstlerauftritte und seit 2010 auch für Hotelübernachtungen. Bestimmte Wirtschaftsbereiche sind ganz von der Umsatzsteuer befreit, zum Beispiel der Luftverkehr, Stiftungen sowie der öffentlich-rechtliche Rundfunk.

Wie läuft das mit den Umsatzsteuervoranmeldungen?

Alle umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen und Selbstständigen sind zur Umsatzsteuervoranmeldung verpflichtet: Sie melden dem Finanzamt monatlich oder quartalsweise einen vorläufigen Betrag, der unmittelbar an die Steuerkasse abgeführt werden muss. Dieser Betrag ist die Differenz aus deiner eingenommenen Umsatzsteuer und der Vorsteuer, die du mit deinen getätigten Betriebsausgaben gezahlt hast. Unsere Buchhaltungstabelle berechnet dir diesen Wert für jeden Monat automatisch, wenn du deine Belege einträgst. Die Umsatzsteuervoranmeldung wird dann elektronisch (über das Elster-Portal oder Download-Software des Finanzamts) ans Finanzamt übermittelt. In den meisten Fällen übernimmt dies dein*e Steuerberater*in.

Wichtig: Voranmeldungen sind schon zum zehnten Tag nach Ablauf des Voranmeldezeitraumes abzugeben, sonst drohen Säumniszuschläge. Welcher Voranmeldezeitraum (Jahr, Quartal oder Monat) für dich gilt, richtet sich nach der Höhe Ihrer Umsatzsteuersteuerschuld. Existenzgründer*innen müssen die ersten zwei Jahre die Umsatzsteuervoranmeldung monatlich abgeben. Man kann einen Antrag auf „Dauerfristverlängerung“ stellen, die Abgabefrist verschiebt sich dann jeweils um einen Monat nach hinten (siehe Tabelle).

________________________________________________________________________________

Gut zu wissen:

Bei jährlicher Umsatzsteuerhöhe bis 1.000 €: keine Vorauszahlung

Bei jährlicher Umsatzsteuerhöhe von 1.000 € bis 7.500 €: vierteljährliche Vorauszahlungen

Bei jährlicher Umsatzsteuerhöhe von über 7.500 EUR bzw. Existenzgründer*innen die ersten beiden Jahre: monatliche Vorauszahlungen

_________________________________________________________________________________

Was besagt die Kleinunternehmerregelung?

Für Kleinunternehmen gilt eine Ausnahme: Wer im Vorjahr weniger als 17.500 Euro Umsatz hatte und im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich nicht mehr als 50.000 Euro einnehmen wird, kann sich mit der „Kleinunternehmerregelung“ vom gesamten Umsatzsteuerverfahren befreien lassen. Dies lohnt sich, wenn du hauptsächlich Privatleute als Kund*innen hast, die die Umsatzsteuer selbst nicht verrechnen können. Auf Firmenkund*innen wirkst du mit dem Kleinunternehmerstatus möglicherweise unprofessionell und bei hohen Firmeninvestitionen kann es durchaus sinnvoll sein, sich die Vorsteuer vom Finanzamt erstatten zu lassen. Verzichte auf die Kleinunternehmerregelung, bist du fünf Jahre an diese Entscheidung gebunden. Wenn du als Kleinunternehmen die Umsatzgrenze von 17.500 Euro überschreitest, solltest du dies dem Finanzamt eigenständig mitteilen, spätestens zum Ende des Jahres. Wichtig ist dann natürlich, dass du daran denkst, deine Rechnungen ab Beginn des Folgejahres mit Umsatzsteuer zu stellen.

Überraschung – das Finanzamt steht vor der Tür!

Umfangreiche betriebliche Steuerprüfungen von Unternehmen und Selbstständigen werden in der Regel vorher vom Finanzamt angekündigt. Allerdings gibt es Ausnahmen: Im Falle einer sogenannten Umsatzsteuernachschau können die Finanzprüfer*innen ohne Ankündigung Grundstücke und Räume von Selbstständigen während deren Geschäfts- und Arbeitszeiten betreten. Ursache dafür sind beispielsweise ungewöhnlich hohe Vorsteuerabzüge. Rein rechtlich könntest du den Zutritt verwehren, jedoch würde das eher als Hinweis darauf verstanden werden, dass du etwas verbergen möchtest. Das Ergebnis wäre eine noch schärfere Kontrollmaßnahme. Bitte also die Beamten lieber herein, zeigen ihnen alle für die Umsatzsteuer relevanten Dateien, Unterlagen und Belege und informiere sofort dein*e Steuerberater*in oder Rechtsanwält*in.

Dein Risiko besteht darin, dass die Prüfer Ungereimtheiten bei deinen Umsatzsteuervoranmeldungen und -zahlungen feststellen. Dies kann zu Nachzahlungen führen. Da es keine Möglichkeit gibt, sich auf diese Art der Prüfung vorzubereiten, solltest du in deinem Geschäftsalltag komplexe Erklärungen für umsatzsteuerliche Dinge immer gut dokumentieren. Bespreche dies rechtzeitig mit deine*r Steuerberater*in.

Wenn du grundsätzliche Fragen zu deiner Steuerpflicht oder zum Umgang mit dem Finanzamt hast, ruf die FIRMENHILFE an. Unternehmer*innen und Selbstständige aus Hamburg beraten wir kostenfrei! Die FIRMENHILFE bietet allerdings keine individuelle Steuer- und Rechtsberatung an. Hierzu wende dich bitte an eine*n Steuerberater*in oder Rechtsanwält*in.

Wie gefällt dir dieser Beitrag?

Alle Tipps, Tools und Kurse zu dem Thema Finanzen findest du hier:

bhp