Unternehmenskrise

Corona-Krise: Schnelle Hilfen für Kunstschaffende und Kreative

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Corona Krise meistern!

FIRMENHILFE Krisen-Cockpit

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von Susanne Schreck

Theater sind geschlossen, Konzerte wurden abgesagt, Fotoshootings verschoben und Aufträge storniert – die Kunst- und Kulturszene ist besonders heftig von der Corona-Krise betroffen. Viele Kreative müssen seit Wochen mit Verdienstausfällen kämpfen und geraten unverschuldet in wirtschaftliche Not. Besonders hart trifft es diejenigen, die aufgrund ihrer ohnehin schon prekären Verdienstmöglichkeiten keine Rücklagen bilden konnten.

Wenn Sie zu dieser Berufsgruppe gehören und sich fragen, was Sie tun können, um Ihre wirtschaftliche Existenz zu sichern, bekommen Sie in diesem Artikel die wichtigsten Antworten.

Zuvor ein Hinweis in eigener Sache: Die FIRMENHILFE Hamburg hat bereits viele Handlungsempfehlungen für Freiberufler*innen und Solo-Selbstständige veröffentlicht, die unter der Corona-Krise leiden. Werfen Sie doch mal einen Blick in unser Krisen-Cockpit. Dort finden Sie viele Informationen und Tipps, die von uns ständig aktualisiert werden. Und falls Sie es nicht schon getan haben, empfehlen wir Ihnen, sich unseren Podcast KriseChance anzuhören– vielleicht bei einem kleinen Spaziergang an der frischen Luft.

Was JETZT zu tun ist: Sofortmaßnahmen zur Sicherung der Liquidität

Das Wichtigste, was jetzt auf Ihrer To-Do-Liste ganz oben steht, klingt banal: Sichern Sie Ihre Liquidität. Tun Sie alles, um Ihre Kosten zu senken und irgendwie Geld in die Kasse zu bekommen.

Diese Maßnahmen können helfen, Ihre noch vorhandene Liquidität zu schonen:

Steuervorauszahlungen aussetzen

Sie können Ihre Steuervorauszahlungen senken oder sogar eine Zeit lang aussetzen – wer keine Gewinne macht, muss ohnehin keine Steuern zahlen. Das Finanzamt ist daher aktuell einer Ihrer ersten wichtigen Ansprechpartner.

Falls Sie Steuerschulden haben, beantragen Sie, diese zu stunden oder in Raten zu begleichen. Auf Säumniszuschläge und Vollstreckungsmaßnahmen verzichten die Finanzämter bis zum Ende 2020, sofern Sie infolge der Corona-Krise in wirtschaftliche Not geraten sind.

Rufen Sie am besten gleich bei Ihrem Finanzamt an und erklären Sie Ihre Situation. Dort arbeiten Menschen, die in aller Regel sehr viel Verständnis für die derzeitige Notlage aufbringen. So genügt aktuell oft schon ein Telefonat, wo unter normalen Umständen ein schriftlicher Antrag erforderlich wäre.

Beiträge zur Künstlersozialkasse (KSK) reduzieren

Auch Ihre monatlichen Beiträge zur Künstlersozialkasse, also Ihrer Sozialversicherung, können Sie recht schnell und einfach reduzieren, denn auch diese werden ja nach Einkommenshöhe berechnet. Daher müssen Sie jetzt bei der KSK Ihre Einkommenserwartung für das laufende Jahr nach unten korrigieren. Auf der Internetseite der KSK finden Sie einen Vordruck, in den Sie kommentarlos Ihre geänderte Prognose eintragen können. Anschließend drucken Sie den Vordruck aus, unterschreiben ihn und schicken ihn an die KSK. Schon ab dem folgenden Monat müssen Sie dann nur noch den angepassten Beitragssatz zahlen.

Denken Sie daran, dass Ihre Änderung nur für die Zukunft gilt. Bereits gezahlte Beiträge können Sie nicht zurückfordern! Also zögern Sie nicht, sondern schicken Sie noch heute Ihre Änderungsmitteilung an die KSK.

Ausfallhonorare einfordern und Teilrechnungen stellen

Prüfen Sie Ihre Verträge, ob Sie für abgesagte Veranstaltungen, für die Sie gebucht waren, ein Ausfallhonorar verlangen können. Denken Sie daran, dass auch mündliche und informelle Vereinbarungen (zum Beispiel per E-Mail oder Whatsapp) rechtlich wirksam sein können.

Für laufende Projekte, die durch den allgemeinen Lockdown gestoppt wurden, für die Sie aber bereits Leistungen erbracht haben, können Sie zumindest einen Teil des vereinbarten Honorars in Rechnung stellen.

Wichtig: Dokumentieren Sie alle Einnahmeausfälle mit Datum, Zeitumfang und Honorarhöhe. Heben Sie alle Verträge, E-Mails, Flyer oder sonstigen Unterlagen auf. Vielleicht brauchen Sie diese, um später Ihre Ausfälle und somit Ihren Anspruch auf öffentliche Finanzhilfen belegen zu können.

Ein Tipp für die Zukunft ist dann natürlich: Versuchen Sie ab sofort ein Ausfallhonorar für solche Situationen zu vereinbaren.

Mietzahlungen stunden

Wenn sich Ihr Laden oder Ihr Atelier in einer städtischen Immobilie befindet, können Sie aktuell die Miete zinslos für bis zu drei Monate stunden lassen – darauf haben sich alle Hamburgischen Vermieter verständigt. Und auch die privaten Immobilienbesitzer der Stadt sind aufgerufen, diesem Beispiel zu folgen und tun dies teilweise auch schon. Also trauen Sie sich ruhig, mit Ihrem Vermieter über Ihre Situation zu sprechen und bitten Sie um die Möglichkeit einer zinsfreien Mietstundung.

Übrigens: Auch viele städtische Gebühren können auf Antrag gestundet oder gar erlassen werden. Erkundigen Sie sich bei den zuständigen Stellen.

Überbrückungskredite beantragen

Die Förderprogramme für Unternehmen der Förderbank KfW wurden kurzfristig aufgestockt und durch zusätzliche Sonderkreditprogramme und Liquiditätshilfen ergänzt. Desgleichen bauen die Bundesländer ihre Förderprogramme für Unternehmen und Selbstständige aus, um ihnen durch diese schwierige Zeit zu helfen. So wird es in Hamburg demnächst die Möglichkeit geben, über das Programm Hamburg-Kredit Liquidität (HKL) ein Rettungsdarlehen bis 250.000 EUR zu beantragen, das kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) auch aus der Kulturszene dabei helfen soll, ihre Betriebsmittel trotz Krise zu bestreiten und eine Zahlungsunfähigkeit abzuwenden.

Das Problem: Die Konditionen der Rettungsdarlehen von Bund und Ländern mögen noch so fair sein – irgendwann müssen sie zurückgezahlt werden. Wenn Ihre Einnahmen vor der Krise schon wenig Spielraum ließen, sollten Sie sich gut überlegen, ob Sie nach der Krise in der Lage sein werden, einen Kredit abzustottern.

Öffentliche Zuwendungen laufen weiter

Wenn Sie als freie*r Künstler*in oder Kulturschaffende*r öffentlichen Zuwendungen bekommen, etwa von der Behörde für Kultur und Medien, können Sie beruhigt sein: Sämtliche Förderzusagen der Stadt bleiben bestehen, auch wenn die geplanten Projekte jetzt nicht mehr oder in anderer Form umgesetzt werden können.

Grundsicherung/ALG II beantragen

Wenn wirklich gar nichts mehr geht und Sie nicht wissen, wie Sie Ihren Kühlschrank füllen sollen, ist es Zeit, über die Grundsicherung (auch als Arbeitslosengeld II oder Hartz 4 bekannt) nachzudenken. Das kann eine sinnvolle Möglichkeit sein, um Ihre Einnahmeverluste vorübergehend auszugleichen.

Die gute Nachricht ist: Als Reaktion auf die Krise wurden einige Erleichterungen eingeführt. Bis September 2020 gilt, dass Rücklagen nicht aufgebraucht werden müssen und Mietkosten ohne Prüfung übernommen werden.

Allerdings ist es nach wie vor so, dass auch das Einkommen von Familienangehörigen bzw. Lebenspartner*innen, die mit Ihnen in einem Haushalt leben, bei der Prüfung der Ansprüche berücksichtigt werden (Bedarfsgemeinschaft).

Zuständig ist der Standort für Selbstständige des Jobcenters Hamburg. Solange er für den Besucherverkehr geschlossen bleibt, können Sie sich an die Telefonhotline (040 182293111) wenden. Oder Sie nehmen per E-Mail Kontakt auf.

Außerdem wurde eine Sonder-Hotline geschaltet, um insbesondere die Fragen von Selbstständigen und freiberuflich Tätigen bezüglich der sozialen Grundsicherung zu beantworten. Die Sonder-Hotline erreichen Sie unter der Nummer 088 45555 23.

Entschädigungen für Verdienstausfall infolge von Quarantäneauflagen

Das Infektionsschutzgesetz sieht vor, dass auch Freiberufler*innen und Selbstständige für die Zeit einer amtlich verordneten Quarantäne eine Entschädigung bekommen. Wie hoch diese Entschädigung ausfällt, wird anhand Ihres letzten Steuerbescheids ermittelt. Voraussetzung ist, dass die Quarantäne oder das Tätigkeitsverbot vom Gesundheitsamt angeordnet wurde und Sie nicht von Zuhause aus weiterarbeiten könnten. Wenn Sie nicht bei der KSK sondern privat versichert sind, ist zudem eine Erstattung Ihrer privaten Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge möglich.

Sollten Sie sich freiwillig in Quarantäne begeben und deshalb kein Einkommen mehr beziehen, können Sie keine Entschädigung bekommen.

Den Antrag auf Entschädigung müssen Sie innerhalb von drei Monaten stellen. Zuständig sind die Bezirksämter und deren Gesundheitsämter.

Solidar-Aktionen für die freie Kunst

Die Solidarität für Hamburgs Kulturschaffende ist groß. Viele Aktionen wurden ins Leben gerufen, um Kultureinrichtungen und Kunstschaffende zu unterstützen, und fast täglich poppen neue Ideen auf. Am besten, Sie recherchieren im Internet oder hören sich in Ihrem Umfeld um, wo Sie sich um eine solidarische Unterstützung bewerben können. Hier eine kleine Auswahl:

Keiner kommt – alle machen mit

Die Veranstalter dieses außergewöhnlichen Festivals verkaufen Soli-Tickets für ein Event, das niemals stattfinden wird. Das Geld wird von einem Gremium an Kultureinrichtungen und freie Kulturschaffende der Stadt verteilt. Das Bewerbungsformular füllen Sie bitte bis zum 11. Mai 2020 aus.

Rockcity e. V.

Der Verein Rockcity will schnell und unbürokratisch Musiker*innen helfen, die infolge der Corona-Krise in Not geraten sind. Unter #musicsupportHH werden derzeit Spenden für einen Soforthilfefonds gesammelt.

Elbphilharmonie-Hilfsfonds

Viele Menschen sind derzeit bereit, auf eine Rückerstattung ihrer Tickets für Veranstaltungen zu verzichten, die infolge der Corona-Allgemeinverfügung abgesagt werden mussten. Diese Hilfsbereitschaft war der Anlass, einen Hilfsfonds für Künstler*innen einzurichten, die eigentlich während der Schließzeit in der Elbphilharmonie oder in der Laeiszhalle hätten auftreten sollen.
Alle freien Künstler*innen oder Musikpädagog*innen, die für die Elbphilharmonie oder die Laeiszhalle gebucht waren (oder von einem der drei Gründungspartner des Elphi-Hilfsfonds für eine Veranstaltung auch außerhalb dieser beiden Häuser gebucht waren), können sich bewerben. Es gibt maximal 2.500 Euro pro Person. Der Antrag kann nur online gestellt werden. Über die Vergabe der Mittel entscheidet ein Gremium.

Einmal-Hilfe durch die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL)

Wenn Sie mindestens einmal an einer regulären Verteilung durch die GVL teilgenommen haben, können Sie eine einmalige Soforthilfe in Höhe von 250 Euro von der GVL erhalten. Dafür füllen Sie ein Formular zur Corona-Hilfe aus und schicken es mit Ihren Nachweisen über den erlittenen Verdienstausfall per E-Mail an die GVL.

Was Arbeitgeber*innen und Kultureinrichtungen tun können

Sie haben ein kleines kreatives Unternehmen mit einem oder mehreren Angestellten? Dann sollten Sie schnell prüfen, ob Sie Kurzarbeit beantragen können. Das ist nicht schön, aber immer noch besser, als Kündigungen aussprechen zu müssen.

Das Kurzarbeitergeld wird von der Bundesagentur für Arbeit übernommen. Es beträgt 60 bis 67 Prozent des Nettolohns – wahrscheinlich demnächst noch mehr. Außerdem werden die Sozialbeiträge erstattet, die Sie als Arbeitgeber*in zu zahlen hätten.

Die IFB Hamburg hat zudem ein Kreditprogramm aufgelegt, das speziell den Kultureinrichtungen der Stadt das Überleben in der Corona-Krise ermöglichen soll. Mit dem IFB-Förderkredit Kultur Fördermodul Corona können Betriebskosten finanziert werden. Die maximale Darlehenshöhe liegt bei 150.000 Euro. Den Antrag finden Sie auf der Seite der IFB. Er muss per Post an die IFB Hamburg geschickt werden.

Und auch die Behörde für Kultur und Medien (BKM) hat ein Hilfspaket Kultur geschnürt, das insgesamt 25. Mio. Euro umfasst. Auch dieses Geld soll kulturelle Einrichtungen davor bewahren, aufgrund der Krise aufgeben zu müssen, und wird als Soforthilfe zur Verfügung gestellt. Die Möglichkeit zur Antragstellung ist noch in Vorbereitung.   

Und zum Schluss: Digitalisierung als Chance – was Sie mittelfristig tun können

Die aktuelle Krise führt zu einer Art Zwangsdigitalisierung, der sich auch die Kultur- und Kreativszene nicht entziehen kann. Künstler*innen geben Online-Konzerte aus dem Homeoffice, ganze Theateraufführungen werden vom Publikum per Live-Stream am heimischen Rechner verfolgt und Museums- oder Architekturführungen finden virtuell statt.

Überlegen auch Sie, ob und wie Sie Ihr Geschäftsmodell digitalisieren können, um weiterhin Einkünfte zu generieren. Kleine Geschäfte können Onlineshops einrichten bzw. ausbauen oder über Onlinemarktplätze wie Etsy oder Avocadostore ihre Produkte vertreiben. (Musik-) Unterricht ist über Videochat möglich. Textil-Designer*innen können Schutzmasken entwerfen und schneidern – und, und, und.

Bevor Sie sich verzetteln, weil Sie vor lauter Ideen nicht wissen, womit Sie anfangen sollen, oder im Gegenteil verzagen, weil Ihnen einfach nichts einfallen will: Absolvieren Sie unseren Schnellkurs zum Thema Geschäftsmodell. Der Kurs vermittelt Ihnen in aller Kürze, wie Sie Ihr Geschäftsmodell jetzt anpassen oder verbessern können, um trotz Krise Einnahmen zu generieren und/oder danach neu durchstarten zu können.

Sehen Sie den gegenwärtigen Ausnahmezustand auch als Chance, Neues auszuprobieren. Trauen Sie sich einfach – niemand erwartet, dass alles auf Anhieb funktioniert. Hauptsache, Sie werden jetzt aktiv und nehmen die Zügel wieder in die Hand.

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bhp