Finanzen

Wachstumsfinanzierung
Mit frischem Kapital expandieren

Inhaltsverzeichnis

21.06.2022

Nach erfolgreicher Existenzgründung läuft dein Tagesgeschäft gut. Die Nachfrage nach deinen Produkten oder Dienstleistungen steigt an und du musst sogar Aufträge ablehnen, weil du nicht genügend Kapazitäten für deren Bearbeitung hast. Jetzt ist es Zeit für Wachstum. Möchtest du mehr Aufträge annehmen und deinen Umsatz steigern, muss dein Unternehmen leistungsfähiger werden – beispielsweise durch das Einstellen neuer Mitarbeiter*innen, den Ausbau deines Vertriebsnetzes oder das Anschaffen von neuen Maschinen, um deine Produktionskapazitäten zu erhöhen. All dies muss finanziert werden – doch was, wenn nicht genügend Eigenkapital für die Expansion verfügbar ist? Möchtest du mit deinem Unternehmen wachsen, ist die Nutzung von Fremdkapital oft unverzichtbar. Du brauchst eine Wachstumsfinanzierung.  

In diesem Artikel verraten wir dir, wann und vor allem warum Wachstumsfinanzierung für dich relevant ist, welche Arten der Finanzierung für wen geeignet sind und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen.  

Definition: Was ist Wachstumsfinanzierung?

Mit einer Wachstumsfinanzierung beschaffen sich kleine und mittelständische Unternehmen, die bereits am Markt vertreten sind, Wachstumskapital für die Umsetzung interner oder externer Expansionsvorhaben. Dieses Wachstumskapital kann nur selten aus eigenen Geldmitteln finanziert werden – Fremdkapital ist erforderlich.  

Wann und warum benötigen Existenzgründer*innen eine Wachstumsfinanzierung?

Du hast bestimmt eine klare Vorstellung davon, was du mit deiner Geschäftstätigkeit erreichen möchtest. Ist es dein Ziel, lediglich so viel Gewinn zu machen, dass dein Lebensunterhalt gesichert ist und du ein gutes Leben führen kannst? Dann ist Wachstum sicherlich nicht das wichtigste Thema für dich. Hast du aber ein skalierbares Geschäftsmodell gewählt, stehen bei dir bereits seit der Gründung alle Zeichen auf Wachstum. Aber wann ist es Zeit für eine Wachstumsfinanzierung? 

Startups und neu gegründete Unternehmen durchlaufen bestimmte Entwicklungsphasen, die jeweils durch besondere Aufgaben und Herausforderungen geprägt sind. Auch der Kapitalbedarf und die infrage kommenden Finanzierungsmöglichkeiten unterscheiden sich von Phase zu Phase. Während der Gründung dreht sich alles um die erfolgreiche Positionierung und Vermarktung von Produkten oder Dienstleistungen am Markt und um die Generierung von genügend Umsatz, sodass die Betriebskosten gedeckt sind und erste Gewinne erzielt werden. Hast du den Break-even-Point erreicht, bewegst du dich in der Gewinnzone. Der Break-even ist auch der Übergang von der Frühphase während der Gründung in die Expansionsphase. Diese Phase ist abermals in die Second-Stage-Phase (Weiterentwicklung und Skalierung deines Unternehmens) und die Third-Stage-Phase (Differenzierung von deinen Wettbewerbern) unterteilt. Besonders die Second-Stage-Phase zeichnet sich durch einen erhöhten Bedarf an Wachstumskapital aus. 

Die gesamte Expansionsphase entscheidet über die langfristige Etablierung deines Unternehmens auf dem Markt. Bei Investor*innen ist es besonders gerne gesehen, wenn diese Phase von schnellem Wachstum geprägt ist. Dafür wird in der Regel viel Kapital benötigt. Da sich das Geschäftsmodell deines Unternehmens aber bereits am Markt bewährt hat, ist das Risiko von hohen Investitionen geringer als während der Gründungsphase.  

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Wachstumsstrategien: Wofür benötigst du Kapital?

Es gibt verschiedene Gründe, warum du zusätzliches Fremdkapital brauchst, um deine Wachstumsvorhaben umzusetzen. Dabei ist besonders die von dir gewählte Wachstumsstrategie relevant. Der Wirtschaftswissenschaftler Harry Igor Ansoff definiert in seiner Produkt-Markt-Matrix vier auf Wachstum fokussierte Unternehmensstrategien, die sich durch eine unterschiedliche Kombination von Produkten und Märkten auszeichnen:  

  • Durch die Marktdurchdringung soll der Absatz bestehender Produkte in bestehenden Märkten gesteigert werden.  
  • Bei der Marktentwicklung werden mit bestehenden Produkten neue Märkte erobert.
  • Die Produktentwicklung hat das Ziel, neue Produkte in bestehende Märkte einzuführen.
  • Bei der Diversifikation geht es um neue Produkte, die in einem neuen Markt angeboten werden.

Zur Umsetzung dieser Wachstumsstrategien sind unterschiedliche Maßnahmen nötig, die wiederum mit Investitionen verbunden sind. Im Folgenden haben wir für dich einige dieser Maßnahmen zusammengestellt:  

  • Du benötigst mehr Produktionsmittel – es ist Kapital für neue Maschinen oder Werkzeuge notwendig.
  • In fast allen Fällen geht Wachstum auch mit der Einstellung neuer Mitarbeiter*innen einher. Denn mehr Aufträge oder Bestellungen bedeuten auch mehr Arbeit und daher wird dein bisheriges Team schnell an seine Grenzen stoßen.
  • Ein größeres Team und mehr Ware bedeuten meistens auch mehr Platz. Deshalb ist die Anmietung oder der Kauf von Immobilien oft Teil von Wachstumsstrategien.
  • Mehr Verkäufe und Aufträge haben auch mehr benötigtes Material für den Herstellungsprozess zur Folge.
  • Für neue Produkte und Dienstleistungen sind Investitionen für Forschung und Entwicklung notwendig. Auch Kosten für die Anmeldung von Patenten oder Gebrauchsmustern sind hierbei möglich.
  • Planst du neue Märkte zu erobern, musst du dementsprechend deinen Vertrieb ausbauen und deine Marketingmaßnahmen anpassen oder ausweiten. Möchtest du etwa deine Produkte in einem anderen Land vermarkten, musst du ein Vertriebsnetz von Grund auf neu aufbauen. Hierfür brauchst du zusätzliche Mitarbeiter*innen oder die Unterstützung von externen Dienstleistern. Das kostet dich einiges.
  • Die Einführung neuer Produkte oder Dienstleistungen wird in der Regel auch durch Marketingmaßnahmen und Werbung begleitet. Deine Kund*innen sollen ja schließlich wissen, dass du jetzt neue Angebote in deinem Portfolio hast.
  • Auch eine Unternehmensnachfolge kann eine Maßnahme zur weiteren Expansion darstellen. So kannst du beispielsweise durch die Übernahme eines Cafés in einer anderen Gegend das Konzept deines gut laufenden Cafés ausdehnen und so weiterwachsen.

Die Ansoff-Matrix: Vier grundlegende Wachstumsstrategien

Welche Arten der Wachstumsfinanzierung gibt es?

Als Wachstumsfinanzierung eignen sich unterschiedliche Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten: 

  • Unternehmenskredite (auch Gewerbekredite genannt): Die Hausbank ist wohl die erste Anlaufstelle, um sich über die Arten und Konditionen von geeigneten Krediten zu informieren. Unternehmenskredite eignen sich besonders für Unternehmen, die schon ein paar Jahre erfolgreich am Markt waren. Denn für junge Unternehmen und Selbstständige in der Anfangsphase ist es häufig schwierig, einen dieser klassischen Kredite zu bekommen, da Banken oft Nachweise für die Kreditfähigkeit der Unternehmen verlangen, die du in der Anfangsphase wahrscheinlich noch nicht in dem geforderten Maße einreichen kannst.
  • Geförderte Kredite: Die Bundesländer und der Bund bieten verschiedene Förderprogramme für Existenzgründer*innen und junge Unternehmen an. Man spricht von Programmen zur Gründungs- und Wachstumsfinanzierung (kurz GuW-Programme). Die darin enthaltenen Förderkredite und Wagniskapitalfonds werden von der KfW und teilweise in Zusammenarbeit mit der Europäischen Investitionsbank angeboten. Viele dieser Programme kommen aus dem Sondervermögen ERP (European Recovery Program) des Bundes. Um solche Mittel zu erhalten, musst du jedoch unterschiedliche Voraussetzungen, wie eine bestimmte Mindestdauer der Unternehmenstätigkeit, erfüllen. Beim KfW-Unternehmerkredit beläuft sich diese Dauer auf circa fünf Jahre.  
    Wichtig zu wissen: Nahezu alle KfW-Programme werden nach dem Hausbankprinzip vergeben und abgewickelt. Das heißt, dass du mit deiner Hausbank ein geeignetes Programm auswählst. Sowohl die Abwicklung und Auszahlung als auch die Prüfung deiner Kreditfähigkeit sowie anderer Voraussetzungen wird nur über deine Bank vorgenommen.  
    Innerhalb der bundesweiten Förderprogramme gibt es unterschiedliche Themenschwerpunkte, wie das ERP-Programm Innovation und Digitalisierung, das sich an innovative Unternehmen richtet, die Digitalisierungsvorhaben anstreben.  
    Nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren die Programme der Bundesländer, die über die Landesförderinstitute (auch Investitionsbanken genannt) bereitgestellt werden. Hierfür musst du jedoch deinen Firmensitz im jeweiligen Bundesland haben. Auch hier sind meistens die Hausbanken die erste Anlaufstelle. Jedoch gibt es Ausnahmen: Mikro-Mezzanine-Kapital, Gründerstipendien und Innovationsprogramme werden direkt über die Landesförderinstitute abgewickelt. Solche direkten Programme sind allerdings nur bedingt als Wachstumskapital geeignet.  
    Informiere dich bei deiner Hausbank über die Konditionen passender Programme. Einen Überblick über mögliche Förderinstrumente zur Gründungs- und Wachstumsfinanzierung findest du auf der Seite des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz.
  • Privates Beteiligungskapital (Private Equity): Private Equity beschreibt privates Beteiligungskapital, welches in nicht börsennotierte Unternehmen investiert wird. Dies geschieht in der Regel durch sogenannte Private-Equity-Fonds, die sich an Unternehmen in einer bestimmten Phase beteiligen – so zum Beispiel während der Gründungsphase (Venture-Capital) oder in der Expansionsphase. In Deutschland gibt es einige Hundert Private-Equity-Unternehmen, die sich oft auf bestimmte Phasen, Investitionssummen oder Branchen spezialisiert haben. Recherchiere, welche dieser Kapitalgeber für dein Unternehmen geeignet sind.  
    Sonderformen von Private Equity stellen Mezzanine-Kapital oder Crowdinvesting dar: 
    Mezzanine-Kapital: Dieses stellt eine Mischform aus Fremdkapital und Eigenkapital dar. Der Mezzanine-Kapitalgeber bekommt in der Regel eine gemischte Verzinsung, die aus einem festen Zins und einem erfolgsabhängigen Bestandteil besteht. Seine Ansprüche sind meist nachrangig – im Falle einer Insolvenz liegen seine Forderungen noch vor denen der Eigenkapitalgeber, aber hinter denen der Fremdkapitalgeber. Ein Vorteil von Mezzanine-Kapital besteht darin, dass es – je nach Ausgestaltung – bilanziell wie Eigenkapital behandelt werden kann. Folglich hat es keine negativen Auswirkungen auf deine Unternehmensbonität und auch die Möglichkeit einer späteren Kreditfinanzierung wird nicht erschwert. Außerdem musst du keine Unternehmensanteile oder Stimmrechte an Kapitalgeber abgeben und hast somit weiterhin das Sagen.  
    Crowdinvesting: Crowdinvesting ist eine Sonderform des Crowdfundings und ermöglicht es den Unterstützer*innen, sich mit einer Investition finanziell am Erfolg deines Unternehmens zu beteiligen. Auf einer Crowdinvesting-Plattform stellst du dein Unternehmen vor und gibst an, wofür du wie viel Kapital benötigst und wie genau die Beteiligung ausfällt.
  • Firmenleasing (auch Gewerbeleasing): Firmenleasing ist eine Alternative zum Kauf von Investitionsgütern wie neuen Maschinen, Fahrzeugen oder technische Geräten, die für deine Wachstumsstrategie benötigt werden. Anstatt die Güter zu erwerben, werden sie von einem Leasinggeber für eine vereinbarte Leasingrate gemietet. So bist du flexibler und hast auch weniger finanzielle Risiken, da du keine hohen Anfangsinvestitionen stemmen musst und auch langfristig mit planbaren Kosten kalkulieren kannst. Der Leasinggeber behält jedoch rechtlich gesehen das Eigentum an den Objekten. Oft ist eine Kaufoption nach einer gewissen Nutzungsdauer im Vertrag enthalten. Bei mangelnden Kreditsicherheiten oder bereits ausgelasteten Kreditlinien kann Firmenleasing eine sinnvolle Alternative zur klassischen Kreditfinanzierung sein.
  • Factoring: Beim Factoring verkaufst du im Prinzip deine Rechnungen an Dritte weiter. Dadurch werden deine Zahlungseingänge nach vorn verschoben, denn du erhältst das Geld aus offenen Rechnungen sofort, obwohl deine Kund*innen laut Zahlungsziel erst später zahlen müssen. Im Gegenzug behält der Factoring-Dienstleister einen gewissen Anteil des Geldes für sich. Factoring eignet sich folglich für dich, wenn bei deinem Unternehmen viele offene Forderungen anfallen. Dies ist häufig bei mittelständischen Unternehmen der Fall, die mit langen Zahlungszielen bei Aufträgen arbeiten.

Voraussetzungen: Was benötigst du für eine erfolgreiche Beantragung von Wachstumsfinanzierung?

Damit du abschätzen kannst, wie viel Wachstumskapital du benötigst, solltest du dir überlegen, was für dein Wachstum alles nötig ist. Dein Bauchgefühl reicht nicht aus, um überzeugend darzustellen, dass dein Geschäftsmodell skalierbar ist. Um Kapitalgeber zu überzeugen, musst du dein Wachstumsvorhaben realistisch mit Zahlen, Daten und Fakten belegen können. Benötigst du als Selbstständige*r einen Kredit, musst du Banken überzeugen, dass du fähig bist, den Kredit nach dem vereinbarten Zeitraum wieder zurückzuzahlen. Hast du bereits in deinem Businessplan die Wachstumsmöglichkeiten deines Geschäftsmodells dargelegt, kannst du diese Zahlen für deine Argumentation nutzen. 

Zusätzlich erstellen Banken Ratings, welche die wirtschaftliche Situation und Entwicklung von Unternehmen sowie die Arbeit des Managements bewerten. Es werden sowohl Marktposition und Branchenentwicklung als auch Perspektiven für die Zukunft beurteilt. Die notwendigen Informationen für die Erstellung dieser Ratings stammen aus Jahresabschlüssen wie Bilanzen der letzten Jahre oder Einnahmenüberschussrechnungen sowie aus den letzten betriebswirtschaftlichen Auswertungen (BWA). Sorge daher dafür, dass du diese Unterlagen vollständig, unaufgefordert und rechtzeitig abgibst. Halte dich immer an Vereinbarungen und führe dein Konto entsprechend.

Fazit

Hast du dir schon während deiner Existenzgründung Gedanken über eine konkrete Wachstumsstrategie abseits des Break-even-Points gemacht, solltest du diese Überlegungen bereits in deinem Businessplan darlegen. So kannst du mit deinen potenziellen Kapitalgebern schon frühzeitig über später benötigtes Wachstumskapital und die passende Finanzierungsform reden. Wichtig ist, dass du deine Pläne nicht nur mit bloßen Ideen beschreibst, sondern auch eine klare Wachstumsstrategie definierst und diese mit Zahlen und Daten belegst. Das gilt auch, wenn es bei deinem Unternehmen richtig gut läuft und du kurzfristig auf weiteres Wachstum setzt. Die Ansoff-Matrix kann dir helfen, eine klare Wachstumsstrategie für dein Unternehmen festzulegen. Steht deine Strategie, plane deinen Finanzbedarf und überprüfe genau, am besten im Gespräch mit deiner Hausbank, welche Finanzierungsform sich für dein Unternehmen eignet.

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bhp