Unternehmenskrise
25.04.2018

Ihr Kunde zahlt nicht?
Das können Sie tun!

Wollen Sie an Ihrem Geschäftsmodell arbeiten?

Viele von Ihnen kennen das Problem: Ihr Kunde zahlt nicht – oder Rechnungen werden sehr spät oder gar nicht beglichen. Das kostet Zeit und Nerven und kann ein Unternehmen im schlimmsten Fall sogar in die Pleite führen! Wir zeigen Ihnen, welche Möglichkeiten Sie haben, Ihre Ansprüche geltend zu machen.

In diesem Beitrag erfahren Sie…

  1. … was Sie als Erstes tun sollten, wenn Ihr Kunde nicht zahlt,
  2. … wie ein effektives Mahnwesen aussieht und
  3. … wie ein gerichtliches Mahnverfahren abläuft.

Ihr Kunde zahlt nicht
Das sollten Sie als Erstes tun

Wenn das Geld nach Ablauf der Frist nicht auf Ihrem Konto eingegangen ist, können Sie ein schriftliches Mahnverfahren einleiten. Viele Unternehmer schrecken aber davor zurück, aus Angst, ihre Kunden zu vergraulen. Diese Sorge ist zwar selten berechtigt – gerade größere Unternehmen sind es gewohnt, Mahnungen zu erhalten. Sie reagieren manchmal überhaupt erst, wenn sie ein offizielles Mahnschreiben erhalten haben. Dennoch kann ein wenig Fingerspitzengefühl nicht schaden.

Vor allem, wenn Sie zu einem Kunden eine besonders gute und lange Beziehung haben, sollten Sie nicht gleich ein unpersönliches Mahnschreiben aufsetzen. Besser ist es, erstmal zum Telefonhörer zu greifen und höflich nachzufragen, wann Sie mit der Zahlung rechnen können. Bleiben Sie freundlich, aber bestimmt. Haken Sie immer wieder nach und nehmen Sie keine Rücksicht darauf, ob Sie Ihrem Gegenüber damit vielleicht auf die Nerven gehen könnten. Der einzige, der hier nervt, ist Ihr Kunde, der nicht zahlt!

Leider zeigt unsere Erfahrung bei der FIRMENHILFE, dass Unternehmer sich zu häufig mit unklaren Zahlungsversprechen vertrösten lassen. Dies ist besonders der Fall, wenn persönliche Kundenbeziehungen das Geschäft prägen. Verzichten Sie bitte nur dann auf eine Mahnung, wenn Sie sicher sein können, dass ein möglicher Zahlungsausfall nicht die Existenz Ihres Unternehmens gefährdet. Und lassen Sie sich nur auf Raten- oder Teilzahlungen oder ähnliche Vereinbarungen ein, wenn der Kunde glaubhaft nachweisen kann, dass seine Zahlungsprobleme vorübergehender Natur sind und er seine Finanzen in Kürze wieder im Griff hat. Halten Sie alle Vereinbarungen schriftlich fest und lassen Sie sie von Ihrem Kunden unterschreiben. Denken Sie auch darüber nach, ab sofort von diesem Kunden Vorauskasse zu verlangen.

Wie sieht ein effektives Mahnwesen aus?

Wenn ein Kunde trotz persönlicher Erinnerung nicht zahlt, führt kein Weg mehr an einem schriftlichen Mahnverfahren vorbei.

Viele Unternehmer schreiben bis zu drei Mahnungen, bevor sie Konsequenzen folgen lassen. Aber wenn Sie über Ihren Brief „erste Mahnung“ schreiben, dürfen Sie davon ausgehen, dass zunächst gar nichts passiert. Denn der Schuldner weiß jetzt, dass er in aller Ruhe die zweite und vielleicht sogar noch die dritte Mahnung abwarten kann, bevor es ernst wird.

Besser ist es, eine einzige Mahnung zu schreiben – freundlich, aber eindeutig. Sie sollte die folgenden Punkte enthalten:

  • die genaue Bezeichnung der Forderung, um die es geht
  • eine Frist, bis wann die Forderung zu begleichen ist (mit Datum, zwei Wochen genügen)
  • die Konsequenzen, falls das Geld nicht fristgerecht bei Ihnen eingehen sollte.

Sie können in Ihrem Schreiben zum Beispiel ankündigen, einen Anwalt oder ein Inkassounternehmen einzuschalten oder selbst ein gerichtliches Mahnverfahren einzuleiten, das bis zur Vollstreckung geht. Wenn Sie nach Ablauf der in der Mahnung genannten Frist immer noch kein Geld bekommen haben, dann sollten Sie unverzüglich die nächsten Schritte unternehmen, genau so, wie Sie es im Schreiben angekündigt haben. Das Mahnschreiben sollten Sie aus Beweisgrunden nicht nur per Post, sondern parallel per Fax oder als E-Mail schicken. Bei erheblichen Forderungen empfiehlt sich ein Einschreiben.

Muss es gleich eine Mahnung sein oder reicht eine Zahlungserinnerung?

Eine Zahlungserinnerung impliziert, dass der Kunde schlicht vergessen hat, seine Rechnung zu begleichen. Viele Unternehmer ziehen diese „Überschrift“ vor, um ihre Kunden nicht zu verprellen. Es gibt aber gute Gründe für eine rechtlich wirksame Mahnung:

Kunden, die nicht zahlen, kosten Zeit und Geld. Und zwar nicht nur das Geld, das sie Ihnen für eine erbrachte Leistung schuldig bleiben. Dazu kommen noch weitere Kosten, etwa für einen Anwalt oder ein Inkassounternehmen. Dieses Geld können Sie sich ebenso wie die Verzugszinsen für Ihre offene Forderung von Ihren säumigen Schuldnern zurückholen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sie im juristischen Sinne „im Verzug“ sind. Im BGB (§ 286) ist genau festgelegt, wann das der Fall ist. Es gibt viele Ausnahmen und Sonderregelungen. Fest steht: Durch das Ausstellen einer ordnungsgemäßen Mahnung gerät Ihr Schuldner automatisch in Verzug.

Was gilt es bei Einsatz eines Inkassounternehmens oder Anwalts zu beachten?

Grundsätzlich können Sie das Mahnverfahren auch in Eigenregie durchführen. Es kann sich aber lohnen, einen „Profi“ zu beauftragen und zwar aus folgenden Gründen:

  • Die Kosten für Ihren eigenen Zeitaufwand und den Ihrer Mitarbeiter können Sie nicht auf den Schuldner übertragen, die Kosten für ein Inkasso-Unternehmen oder einen Anwalt schon.
  • Eine entsprechende Qualifikation und Branchenkenntnis vorausgesetzt, wird die Erfolgsquote solcher Spezialisten höher liegen als beim Mahnverfahren in Eigenregie.

Inkassounternehmen

Anders als früher finden sich heute viele Inkassounternehmen, die nicht nur Massenaufträge, sondern auch Einzelforderungen übernehmen. Dabei haben Sie zwei Möglichkeiten:

  • Das Inkasso-Unternehmen treibt die offene Forderung in Ihrem Auftrag ein und stellt Ihnen diese Dienstleistung in Rechnung. Prüfen Sie vorher genau, welche Kosten auf Sie zukommen, insbesondere, wenn die Eintreibung nicht erfolgreich verlaufen sollte.
  • Das Inkasso-Unternehmen kauft Ihnen die Forderung ab. Sie erhalten dann nur einen geringen Anteil von der Gesamtforderung.

Uns liegen hier nur einzelne Erfahrungswerte aus der FIRMENHILFE vor, die aber alle deutlich unter 30 % der ursprünglichen Forderungshöhe lagen. Das Risiko zu scheitern liegt dann allerdings allein bei der beauftragten Inkasso-Firma. Auf jeden Fall sollten Sie die Seriosität des Anbieters, die Qualität seiner Arbeit und die Kosten genau prüfen und vergleichen! Eine erste Anlaufstelle kann hier der Bundesverband deutscher Inkasso-Unternehmen sein (www.bdiu.de).

Die Beauftragung eines Inkasso-Unternehmens bietet sich immer dann an, wenn es sich um ein Massengeschäft (z.B. Online-Shop) handelt und wenn die Forderungen unstrittig und eindeutig belegbar sind.

Anwaltsinkasso

Statt eines Inkassounternehmens können Sie auch einen Anwalt beauftragen. Das empfiehlt sich besonders in strittigen Fällen, denn ein Anwalt kann Sie, anders als ein Inkassounternehmen, auch in einem Gerichtsprozess vertreten.

Die Anwaltsgebühren sind abhängig vom Streitwert. Gebührenrechner finden Sie im Internet (www.mahngerichte.de). Es gibt aber auch Vereinbarungen, die von der Gebührenordnung abweichen (Stundenlohn, Pauschalen etc.). Fragen Sie Ihren Anwalt gleich am Anfang eines jeden Anwaltsbesuches nach den Kosten und machen Sie einen Preisvergleich. Wenn Ihr Anwalt in Zukunft mehrere Fälle von Ihnen erwarten darf, sollte er Ihnen ein interessantes Angebot unterbreiten.

Tipp: Wenn Sie schon absehen können, dass Ihnen eine gerichtliche Auseinandersetzung bevorsteht, sollten Sie lieber gleich zu einem Anwalt gehen, denn die Kosten für ein Inkassounternehmen können dem Schuldner nicht zusätzlich zu den Anwaltskosten in Rechnung gestellt werden.

Das gerichtliche Mahnverfahren
Wenn der Kunde einfach nicht zahlt

Es besteht immer das Risiko, dass Ihr Schuldner wirklich zahlungsunfähig ist oder einfach nicht zahlen will und jede Mahnung ignoriert. In diesem Fall haben Sie als Gläubiger das Recht, ein gerichtliches Mahn- und Vollstreckungsverfahren einzuleiten.

Die Gebühren dafur müssen Sie vorstrecken. Sie orientieren sich an der Höhe der Forderung, bleiben aber in einem überschaubaren Rahmen (bei einer Forderungshöhe bis 900 Euro liegen die Gebühren bei 23 Euro, bei Forderungen bis 10.000 Euro bei 98 Euro, siehe  Online-Kostenrechner unter www.mahngerichte.de).

Der Mahnbescheid

Als Erstes stellen Sie beim zuständigen Gericht (am Sitz des Antragsstellers) einen Antrag auf Erlass eines Mahnbescheids. Den Vordruck erhalten Sie im Schreibwarenhandel oder Sie nutzen das Online-Portal der Mahngerichte der Bundesländer (www.online-mahnantrag.de – mit Ausfüllhilfe). Darin mussen Sie Ihre Forderung nicht begründen! Notwendig sind lediglich einige allgemeine Angaben zu Ihrer Forderung (u. a. Bezeichnung und Höhe) sowie zum Antragssteller und zum Schuldner.

Tipp: Bei Fragen zum gerichtlichen Mahnverfahren und zu rechtlichen Problemen bei der Antragstellung können Sie sich an das zuständige Mahngericht wenden. Ansprechpartner finden Sie auf www.mahngerichte.de.

Das Gericht wird versuchen, dem Schuldner den Mahnbescheid zuzustellen. Der Schuldner hat dann eine mindestens 14-tägige Frist, Widerspruch einzulegen. Auch dieser muss nicht begründet werden. Sollte der Schuldner von seinem Widerspruchsrecht Gebrauch machen, können Sie beantragen, dass das Verfahren an das zuständige Prozessgericht abgegeben und in einem Zivilprozess behandelt wird.

Der Vollstreckungsbescheid

Reagiert Ihr Schuldner auf den Mahnbescheid nicht (indem er entweder seine Schulden bezahlt oder Widerspruch einlegt), können Sie im nächsten Schritt einen Antrag auf Erlass eines Vollstreckungsbescheides stellen. Wieder hat der Schuldner vierzehn Tage Zeit, zu reagieren. Ein Einspruch hat zur Folge, dass von Amts wegen ein ordentliches Verfahren beim zuständigen Gericht eröffnet wird. Die Zustellung des Vollstreckungsbescheids erfolgt durch das Gericht, außer wenn Sie die sogenannte Übergabe zur Parteizustellung bei Gericht beantragen. Dann kann direkt ein Gerichtsvollzieher mit der Übergabe und der umgehenden Durchführung von Pfändungsmaßnahmen beauftragt werden. Sie erhalten auf jeden Fall eine vollstreckbare Ausfertigung des Bescheids, der die Grundlage für jede weitere Maßnahme der Zwangsvollstreckung ist.

Die Zwangsvollstreckung

Am Ende droht Ihrem Schuldner die Zwangsvollstreckung. Sie erfolgt allerdings nicht automatisch, sondern erst, wenn Sie als Gläubiger sich an das zuständige Amtsgericht am Wohnsitz des Schuldners wenden. Dann kann ein Gerichtsvollzieher mit der Pfändung beauftragt werden.

Sie erhalten den Erlös, der nach Abzug der Kosten fur Pfändung, Transport, Lagerung und Versteigerung bleibt. Sie sollten daher abwägen, ob sich eine solche Maßnahme lohnt. Bei Gericht können Sie im Schuldnerverzeichnis prüfen, ob zeitnah eine eidesstattliche Versicherung des Schuldners dokumentiert ist. Das wäre ein Hinweis darauf, dass vermutlich nicht mehr viel zu holen ist. Eine solche eidesstattliche Versicherung kann immer dann verlangt werden, wenn eine Pfändung fruchtlos geblieben ist. Der Schuldner muss dann seine komplette Vermögenssituation offen legen, und der Gläubiger erfährt, ob es noch irgendwelche Konten, Gehälter oder Geldanlagen gibt, die man pfänden könnte. Je nachdem, was die eidesstattliche Versicherung ergibt, könnten Sie dann eine Forderungspfändung in Erwägung ziehen. Über den Gerichtsvollzieher können Kontopfändungen bei Banken oder Lohnpfändungen bei Arbeitgebern eingeleitet werden.

Tipp: Bei Fragen zum Vorgehen wenden Sie sich am besten an das zuständige Vollstreckungs- oder Amtsgericht. Wenn Sie eine Pfandung planen, sollte auf alle Fälle der Einsatz eines Anwalts in Betracht gezogen werden.

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bhp