Finanzen
18.02.2016

Mein Arbeitszimmer als Betriebsausgabe absetzen?

Wollen Sie an Ihrem Geschäftsmodell arbeiten?

Ein Urteil des Bundesfinanzhofs aus dem Januar 2016 hat es bestätigt: Die Finanzverwaltung bleibt bei ihren strengen Regelungen hinsichtlich eines häuslichen Arbeitszimmers. Das Absetzen des Arbeitszimmers als Betriebsausgabe bleibt also weiterhin kein einfach Unterfangen.

Wofür darf ich ein häusliches Arbeitszimmer überhaupt nutzen?

Grundsätzlich können Sie in einem Arbeitszimmer gedankliche, schriftliche, verwaltungstechnische oder -organisatorische Arbeiten erledigen. Hierunter fallen nicht ausschließlich Büroarbeiten, auch geistige, künstlerische oder schriftstellerische Betätigung zählt.

Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit ich die Kosten für mein häusliches Arbeitszimmer als Betriebsausgaben geltend machen kann?

Hier gilt es zunächst einmal zu schauen, wie die Finanzämter ein häusliches Arbeitszimmer überhaupt definieren:

  • Das wichtigste Kriterium stellt die (fast) ausschließlich betriebliche Nutzung des angegebenen Zimmers dar
  • Lediglich eine untergeordnete private Nutzung bis zu 10% ist erlaubt
  • Sollte das Finanzamt bei einer Prüfung Zugang zu ihrer Wohnung verlangen, um die Voraussetzungen für ein Arbeitszimmer zu prüfen, ist dies zu gewähren
  • Durchgangszimmer oder auch Arbeitsecken in Wohn- bzw. Schlafzimmern werden grundsätzlich nicht anerkannt
  • Beim Arbeitszimmer muss es sich um einen abgeschlossenen Raum handeln, der klar betrieblich eingerichtet ist (z.B. Schreibtisch, Regale, ggf. kleine Sitzecke für Kunden)
  • Bei sehr kleinen Wohnungen ist es schwieriger, eine fast ausschließlich betriebliche Nutzung des Arbeitszimmers gegenüber dem Finanzamt glaubhaft zu machen

In welcher Höhe kann ich die Kosten für mein Arbeitszimmer geltend machen?

Die Höhe der abziehbaren Kosten richtet sich danach, wo der Mittelpunkt Ihrer betrieblichen Tätigkeit stattfindet:

  1. Wenn das Arbeitszimmer Mittelpunkt Ihrer gesamten betrieblichen Tätigkeit ist, können Sie die Kosten (anteilige Kosten des Zimmers an der gesamten Wohnung) in voller Höhe von Ihren betrieblichen Einnahmen abziehen
  2. Findet ein Teil Ihrer betrieblichen Tätigkeit außerhalb statt, z.B. in einem weiteren angemieteten Raum oder bei Kunden, können Sie Ihre Kosten nur bis zu einer Obergrenze von 1.250 EUR geltend machen

Wie genau berechne ich die anteiligen Kosten für mein häusliches Arbeitszimmer?

Zunächst ermitteln Sie die gesamten jährlichen Kosten Ihrer Wohnung. Hierzu gehören vor allem:

  • Miete
  • bei Immobilienbesitzern stattdessen die Gebäudeabschreibung und Schuldzinsen für Kredite, die zur Anschaffung, Herstellung oder Reparatur des Gebäudes oder der Eigentumswohnung verwendet worden sind
  • Betriebskosten (Nebenkosten): Grundsteuer, Müllabfuhrgebühren, Schornsteinfegergebühren, Gebäudeversicherungen etc.
  • Wasser, Strom, Gas, Öl
  • Reinigungskosten
  • Renovierungskosten
  • Aufwendungen für die Ausstattung des Zimmers, wie zum Beispiel Tapeten, Teppiche, Fenstervorhänge, Gardinen und Lampen

Nun ermitteln Sie den Anteil des Arbeitszimmers an der Gesamtfläche Ihrer Wohnung als Basis für die Ermittlung der anteiligen Kosten.

Beispiel:

  • Größe des Arbeitszimmers 10 qm, Gesamtgröße der Wohnung 100 qm, Anteil des Arbeitszimmers an der Wohnungsfläche = 10%
  • 10% der oben ermittelten jährlichen Kosten fallen also auf Ihr Arbeitszimmer ab
  • Bei jährlichen Kosten der Wohnung von z.B. 18.000 EUR entfallen also 10% auf Ihr Arbeitszimmer, dies sind 1.800 EUR
  • Wenn nun das Arbeitszimmer Mittelpunkt ihrer betrieblichen Tätigkeit ist, können Sie diesen Betrag voll als Betriebskosten abziehen. Ist dies nicht der Fall, wird der abziehbare Betrag auf 1.250 EUR gedeckelt

Wie sieht es mit den Kosten für die Einrichtung des Arbeitszimmers aus?

Alle Einrichtungsgegenstände (Schreibtisch, Regale, Bürostuhl etc.) gelten als Arbeitsmittel und können voll als Betriebskosten abgezogen werden. Die gute Nachricht: Dies ist sogar dann der Fall, wenn Sie kein vom Finanzamt anerkanntes Arbeitszimmer haben! Wo Sie diese Einrichtungsgegenstände platzieren, ist dann egal. Wichtig ist nur, dass sie fast ausschließlich betrieblich genutzt werden.

Gibt es besondere Regelungen für ein Arbeitszimmer in einem Eigenheim?

Die Ermittlung der anteiligen Kosten ist hier analog vorzunehmen. Allerdings muss man beachten, dass das Arbeitszimmer in einer Immobilie als Betriebsvermögen gilt. Bei einem eventuellen Verkauf der Immobilie kann es also passieren, dass der Anteil des Arbeitszimmers als Erlös dem Unternehmen zugerechnet wird und somit steuerliche Auswirkungen hat. Daher sollten Sie in so einem Fall die Auswirkungen vorher mit einem Steuerberater besprechen!

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bhp