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Finanzen

Selbstständige und Altersvorsorge:
Die 5 wichtigsten Handlungsempfehlungen

Inhaltsverzeichnis

30.07.2021

Altersvorsorge ist ein unbequemes Thema. Als Selbstständige*r ist man dafür auch noch allein verantwortlich, selbst bei knappen Einnahmen. Unser Altersvorsorgespezialist Marco Habschick hilft etwas System in die Angelegenheit zu bringen.

Hör dir dazu gerne unsere passende KriseChance-Podcastfolge an, in der Marco Habschick mit dem Versicherungsberater Alexander Beurmann diskutiert, warum ihr euch bei der Altersvorsorge als erstes immer mit euch selbst und eurem Unternehmen befassen solltet. Reinhören lohnt sich!

Die fünf meistgegebenen Handlungsempfehlungen

1. Oberste Priorität hat der „Motor“:

Das Einkommen ist die einzige Quelle für alles Geld in der Zukunft (falls man nicht noch erbt). Falls diese Quelle versiegt, ist jedes Altersvorsorgekonzept hinfällig. Für Selbstständige wie Angestellte heißt es daher: Berufsunfähigkeit absichern. Selbstständige müssen sich darüber hinaus voll auf Kundengewinnung und Umsatz konzentrieren. Erst mit einigermaßen stabilen Einnahmen wird Altersvorsorge realistisch.

2. Finanzen nach dem „Terrassenmodell“ aufbauen:

Langfristige Altersvorsorgeverträge, die man beim nächsten Liquiditätsengpass wieder auflösen muss, sind keine Lösung. Bei der schwierigen Balance zwischen jederzeitiger Zahlungsfähigkeit und möglichst gut angelegtem Geld hilft das Terrassenmodell: Wie das Wasser auf den Äckern eines Bergbauern sollte Geld im Prinzip von oben nach unten fließen (siehe Abbildung).

  1. Terrasse 1 ist das unverzinste Giro- bzw. Geschäftskonto. Hier sollte kein Geld liegen, das nicht in den kommenden Tagen gebraucht wird.
  2. Jeder überschießende Euro fließt besser in die Liquiditätsreserve, die Terrasse 2, z.B. ein Tagesgeldkonto, wo es Zinsen gibt (auch wenn das zurzeit sehr wenig Zinsen sind). Hier sollte früher oder später so viel liegen, dass du eine definierte Umsatzflaute (z.B. sechs Monate) überstehst.
  3. Erst dann kannst du dich voll auf die Terrassen 3 und 4 konzentrieren. Terrasse 3 steht für den Topf, aus dem man mit Sicht auf 3-5 Jahre auch wieder Geld entnehmen können soll, z.B. für Investitionen (Zwecksparen). Das könnten etwa ein neues Auto oder das Eigenkapital für ein Haus sein.
  4. Terrasse 4 steht für die langfristigen Anlagen, die nur dann ihre Wirkung entfalten, wenn sie bis zum Alter laufen können.

Eine kostenfreie, anonyme und unverbindliche Online-Umsetzung dieses Systems ist der „Terrassomat“ des Deutschen Instituts für Altersvorsorge. 

Probier das unbedingt einmal für dich aus, es dauert nur ca. 5 Minuten und das Tool verrät dir, wie viel Geld du bei deinem Einkommen auf jeder, der Terrasse haben solltest!

3. Kredittilgung schlägt jede risikolose Geldanlage:

Laufen bei dir aktuell Kredite (insbesondere teure Kontokorrentdarlehen), ist deren Tilgung durch die eingesparten Zinsen fast immer die beste risikolose Geldanlage. Das bedeutet: Von einigen Spezialfällen und Steuerkonstrukten abgesehen, musst du dich erst dann ernsthaft mit Geldanlagen befassen, wenn die Kredite abbezahlt sind. Das macht die Welt um einiges übersichtlicher.

4. Fachfragen und Umsetzung delegieren:

Gut organisierte Finanzen, wie oben beschrieben, sind noch recht einfach zu erreichen. Komplexer wird es (erst) bei der konkreten Umsetzung. Produktauswahl und Anlagestrategie solltest du professionell delegieren: Fachleute suchen, einen klaren Lösungsauftrag vergeben und dabei selbst Kontrolle und Verantwortung behalten. Achte darauf, dass dein Gegenüber möglichst in deinem Auftrag handelt und auch dir gegenüber haftet (Makler*innen oder Honorarberater*innen) und hole dir eine zweite Meinung ein. Jede*r seriöse Berater*in wird das akzeptieren.

5. Bei düsterer Perspektive alternative Strategien suchen:

Viele FIRMENHILFE-Nutzer*innen sagen uns „Auf Terrasse 4 komme ich doch nie an!“ und haben vielleicht sogar recht damit. Du solltest dich dieser Herausforderung allerdings stellen. Die Aufgabe lautet, schonungslos ehrlich mit sich zu sein, um passende Antworten für alle Terrassen zu finden. Diese Erkenntnis ist ein wichtiger Schritt zur Lösung und kann durchaus Kreativität nötig machen:

  • Hast du keine Möglichkeit, ausreichend Geld fürs Alter zusammenzubekommen, solltest du frühzeitig alternative Vorsorgestrategien entwickeln.
  • Gibt es z.B. noch ein Haus der Eltern, tust du als Erbe vielleicht gut daran, dieses durch eigene handwerkliche Arbeit in Schuss zu halten.
  • Auch alternative, kostengünstige Wohnformen im Alter (Genossenschaften, Wohnprojekte, Wohngemeinschaften u.ä.) können ein Ansatz sein.
  • Und selbst der Erhalt der eigenen Gesundheit kann unverzichtbar werden, wenn du davon ausgehst, bis ins hohe Alter hinein arbeiten zu müssen. Altersvorsorge ist also kein rein finanzielles Thema.

Videotipps zur Altersvorsorge

Marco Habschick ist Experte für digitale Beratungsprozesse bei Finanzentscheidungen. Als Altersvorsorgespezialist bei EVEREST in Hamburg berät er auch für die FIRMENHILFE zu diesem Thema.

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bhp